Стилистика немецкого языка

Введение.

 

Проблема определения  стиля напрямую связана с проблемой  вариативности. Вариативность же, в  свою очередь, это одно из основных свойств языка, демонстрирующее  эволюцию и постоянное изменение  языковой системы.

Если в 19 в. Херман Пауль отмечал, что толчком для этих изменений являются индивидуальные колебания (или внутренние особенности человека), то в настоящее время основной акцент делается на социальной природе языковых изменений.

В то же время отмечается, что вариативность  – это неотъемлемое свойство живого литературного языка, и возможность варьирования заложена в самой природе языка. Одни варианты употребляются локально, другие распространены повсеместно, одни хронологически отмечены, другие не связаны со временем. Одни варианты – явление редкое в языке, другие отличаются частотой употребления. Одни варианты стилистически нейтральны, другие же экспрессивны и стилистически окрашены.

 

Академик Виноградов: «Язык представляет собой систему  систем, и эта система является совокупностью связанных между собой функциональных стилей. В области искусствознания, литературоведения и лингвистики трудно найти термин более многозначный и разноречивый и соответствующее ему понятие более зыбкое и субъективно неопределенное, чем термин Стиль и понятие стиля. Изучение языка, с какой бы стороны оно не стремилось уяснить это сложное явление, также пришло к осознанию важности и даже необходимости разграничения стилей языка, а также стилей речи или социально-речевых стилей».

 

Определения понятия «стиль»:

Wahrig

    1. Die Art und Weise sich schriftlich auszudrücken;

z.B. Stil eines Dichters. Flüssiger Stil, knapper Stil.

    1. Eincheitliches Gepräge der künstlerischen Erzeugnisse einer Zeit, einer Persönlichkeit;

z.B. Baustil, Barokstil, gotischer Stil, der Stil Richard Wagners.

    1. Besonderes Gepräge einer menschlichen Lebensweise;

z.B. Lebensstil, der Stil einer Zeit.

  1. Art, Technik der Ausübung einer Sportart;

z.B. Schwimmstil.

 

Langenscheidt

    1. Die Art und Weise, in der jemand spricht oder schreibt.
    2. Die Art, in der ein Kunstwerk gemacht ist.
    3. Die tüpische Art und Weise, wie sich jemand z.B. im Sport bewegt.
    4. Die Art und Weise, wie sich jemand verhält.

 

 

Gegenstand und Aufgaben der Stilistik

 

Die Stilistik ist ein Zweig der philologischen Wissenschaften, sie verfügt über ihr spezifisches Forschungsgebit und hat ihre spezifischen Aufgaben. Der Gegenstand der Stilistik ist die Erforschung von Sprachstilen unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung. Stilistik ist die Lehre von Stilen einer Nationalsprache, von ihren Beziehungen zueinander, von den synonymischen Ausdrucksmöglichkeiten im schriftlichen und mündlichen Verkehr innerhalb einer Nation unter konkreten gesellschaftlichen und individuell bedingten Umständen.

 

Der Gegenstand der Stilistik umfasst 4 große Forschungsbereiche:

  1. Lehre von der Verwendung der sprachlichen Ausdrucksmittel.
  2. Geschichte des Stils, d.h. die Untersuchung der einzelnen Stiltypen in ihrer historischen Entwicklung.
  3. Lehre von den Individuellstilen, d.h. die Untersuchung von Einzelstilen.
  4. Lehre von den sprachlichen Individuellstilen in der schönen Literatur.

 

Das Problem der Stildefinition

Im wesentlichen lassen sich 3 Hauptmomente herausgeben, auf die sich die Stildefinitionen orientieren:

    1. Der semantische Aspekt.
    2. Der formale Aspekt.
    3. Der psychologische Aspekt.

 

Was den semantischen Aspekt angeht, bezeichnet E. Riesel die Stilistik als die Lehre von den synonymischen Ausdrucksmöglichkeiten im schriftlichen und mündlichen Verkehr innerhalb einer Nation unter konkreten Umständen. Diese Orientierung stützt sich darauf, dass ein und derselbe Sachverhalt sprachlich auf verschiedene Weise dargestellt werden kann, dass es in einer bestimmten Sprache lexische Gruppen gibt, die die Wörter mit gleicher oder relativschattierter Bedeutung von verschiedenen Seiten her erfassen.

Ein wichtiger Aspekt in vielen Stildefinitionen ist die Orientierung auf formale Qualitäten der Rede. Nach Wilhelm Kayser Stil ist die Einheit und die Individualität der Gestaltung der Rede. Die formale Orientierung zeigt sich darin, dass die Stilcharakteristik eines Textes und damit der Stilbegriff mit besonderen sprachlichen Mitteln und Formen, die innerhalb der Rede durch relative Häufigkeit hervortren und ein dominierendes Strukturmerkmal darstellen, in Verbindung gebracht werden. Als Stilkriterium bei diesem Aspekt wird die bevorzugtgebrauchte Wortart oder ein vorherrschend verwendetes syntaktisches Mittel angesehen.

Kennzeichnend für eine Reihe von Stildefinitionen ist die Orientierung auf die Tatsache, dass die Sprache in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem menschlichen Bewußtsein steht. Nach Rubinstein ist die Rede von Anfang an mit der individuellpsychischen Bedingheit behaftet. In der traditionellen Stilistik gibt es viele Untersuchungen mit solcher Orientierung. So wird z.B. Analyse in Hinblick auf den Wortgebrauch einzelner Autoren durchgeführt. Man muss aber nicht vergessen, dass die Rede in einem engen Zusammenhang mit der Sprache als eine gesellschaftlich überindividuelle Erscheinung steht.

Also „Stil“ ist eine besondere Komponente der Rede, die mit anderen Komponenten zusammenhängt, aber mit ihnen nicht gleichgesetzt werden kann. Solche Beziehungen bestehen zwischen dem Stil der Rede einerseits, und der Funktion sowie der Form der Rede andererseits. Es sind besondere funktionale und formale Elemente der Rede, die stilistisch von Bedeutung sind und den Gegenstand der Stilistik ausmachen.

Die sprachwissenschaftliche Stilistik ist nicht einfach eine Zusammenfassung von Lexikologie, Grammatik und anderen Disziplinen, sondern sie hat ihren spezifischen Gegenstand, der die Stilisik als eigenständige sprachwissenschaftliche Disziplin begründet.

 

Sprache, Rede, Stil

Die Sprache als Mittel des Denkens und der Verständigung kann unter dem dialektischen Doppelaspekt Möglichkit und Wirklichkeit betrachtet werden. In jedem Fall, in dem wir die Sprache verwenden, geht eine Umwandlung von sprachlicher Möglichkeit in sprachliche Wirklichkeit. Die Sprache existiert als Möglichkeit und als Wirklichkeit. Die Sprache als Wirklichkeit ist der Redetext (die Rede), die Sprache als Möglichkeit ist das System der sprachlichen Zeichen, aus dem der aktuelle Sprechakt folgt. Diese beiden Seiten der Sprache sind klar voneinander zu unterscheiden.

Der Begriff „Stil“ bezieht sich unmittelbar nur auf die Verwendung der Sprache als Wirklichkeit, und nicht als Möglichkeit. Die deutsche Sprache als Ganzes, als System von Möglichkeiten besitzt keinen Stil. Es ist unsinnig vom Stil des Deutschen, Russischen u.s.w. zu sprechen. Oder z.B. die verschiedenen Sprachen stilistisch zu vergleichen. Es ist auch nicht richtig, von Stilqualitäten des Substantivs, des Passivs zu sprechen. Stilqualität erhalten diese Elemente erst in der Rede, d.h. auf der Ebene der Sprache als Wirklichkeit. Also die Rede ist die Gesamtheit der in einer Redeart realisierten Elemente eines gegebenen Systems sprachlicher Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass das sprachliche System synonymische Möglichkeiten enthält.

Stilistische Synonymie

Es werden häufig mehrere Arten von Synonymen unterschieden, z.B. vollständige S., unvollständige S., stilistische S. Die Bedeutung des Begriffs der kontextualen Synonymie ist für die Stilistik am wichtigsten. Es handelt sich um Wörter von verschiedener logisch gegenständiger Bedeutung, um Wörter, die isoliert   keine Synonyme sind. Wenn wir zwei oder mehrere semantisch ähnliche Äußerungen innerhalb der synonymischen Reihe analysieren, so stellen wir fest, dass sie (Äußerungen) sowohl Gemeinsames, als auch Unterschiedliches enthalten. Die gemeinsamen Elemente nennen wir invariante Elemente und die Elemente, durch die sich die einzelnen Synonyme einer Reihe unterscheiden, nennen wir variante Elemente. Und dabei müssen wir nicht nur die semantische Seite, sondern auch die formale Seite berücksichtigen.

z.B.:

Zukunft – zukünftig

wesentlich – in hoher Masse.

 

Als stylistisch können wir nur solche Varianten bezeichnen, die sich nicht aus den obligatorischen Regeln der Grammatik beziehungsweise der Wortbildung oder des symantischen Systems ableiten lassen. Als stylistisch werden solche Elemente angesehen, die sich als fakultative Varianten erweisen. Damit sind jene Elemente gemeint, die auf Grund der synonymischen Möglichkeiten der Sprache in einer bestimmten Rede ausgetauscht, weggelassen oder hinzufügt werden können.

Die Gesammtheit der fakultativen Varianten stellt keine einfache Summe, keine liniare Anordnung von Elementen der Rede, sondern eine hierarchisch gestufte Organisation von austauschbaren Elementen dar, die in Wechselbeziehung mit den obligatorischen Ausdrucksmitteln stehen. Jede Rede ist die Realisierung nur einer unter mehreren synonymischen Möglichkeiten.

Stilistisch von Bedeutung sind die vom Sprecher wählbaren (fakultativen) Ausdrucksmittel. Und die Verwendung der fakultativen Varianten ist jedoch grenzengesetzt, da es gesellschaftliche historisch bedingte Normen gibt.

Redestil ist demzufolge die Gesammtheit der an bestimmte gesellschaftliche Anwendungsnormen gebundenen fakultativen Varianten der Rede innerhalb einer Reihe synonymischer Möglichkeiten zur sprachlichen Darstellung eines Sachverhalts.

Stilelemente und Stilzüge

Wir behaupten, dass alle sprachlichen Mittel stilistisch relevant werden können. Diese Qualität bekommen sie auf der Ebene der Rede, als sie sich im Redetext als fakultative Varianten erweisen. Und diese fakultative Elemente sind die stilbildenden sprachlichen Faktoren des Textes, oder die Stilelemente der Rede. Stilelemente und sprachliche Mittel können nicht absolut gleichgesetzt werden.

z.B.:

Sie gedachten der Opfer.

Hier ist der Genitiv ein sprachliches Mittel. Genitiv ist in diesem Kontext kein fakultatives Element. Er ist weder ersetzbar noch weglassbar. Der Genitiv ist in diesem Fall obligatorischer Bestandteil. Und in anderen Fällen aber kann der Genitiv ein fakultatives Element sein:

z.B.:

Ein Glass schäumendes Bier. Ein Glass schäumenden Bieres.

 

Von einem fakultativen Element ist dann zu sprechen, wenn ein Element der Rede in einem sprachlichen Kontext durch ein anderes ersetzt werden kann. Ist die Substitution möglich, so ist das entsprechende Mittel der Rede ein für den Sprecher variables Element und damit ein Stilelement.

Um die Stilelemente systematisch zu erfassen, genügt es nich nur den Aspekt der Substitution zu beachten. Es muss auch berücksichtigt werden, ob es sich um fakultative Elemente in Bezug auf lexikalische, grammatische und phonetische Mittel handelt. Auf diesen drei Ebenen gibt es sowohl fakultative, als auch obligatorische Elemente.

Bei der linguistischen Stiluntersuchug eines Textes interessiert uns nicht die Frage, wie und in welcher Form die drei Ebenen einander mitbewirken, wesentlich dabei sind die Stilelemente, die in ihrer Gesammtheit den Redestil ausmachen. Die Stilelemente sind die kleinsten stilbildenden sprachlichen Faktoren, sie sind die Bausteine des Stils.

Bei der Kennzeichnung der Beziehungen zwischen den Stilelementen sind zwei Seiten zu berücksichtigen: die formale und die funktionale Seite. Die formale Seite zeigt sich in der Häufigkeit (Frequenz), in der Verteilung (Distribition) und in der Verbindung (Kombination) der Stilelemente.

Wenn ein Stilelement in einer ganz bestimmten Häufigkeit, Verteilung und Verbindung innerhalb der Rede auftritt, so bedeutet diese Art der fakultativen Verwendung etwas, d.h.: das Stilelement hat einen inhaltlichen kommunikativen Anteil daran. Dieser Anteil an der inhaltlichen Nuancierung in der sprachlichen Darstellung bildet die funktionale Seite der Stilelemente. Form und Funktion stehen in einem untrennbaren Zusammenhang. Die Stilelemente stehen innerhalb der Rede in einer charakteristischen Beziehung zueinander. Und das Ziel jeder Stiluntersuchung ist die charakteristischen Beziehungen der sprachlichen Stilelemente in einem Text zu erfassen und darzustellen. Und dabei geht es nicht nur um einzelne Beziehungen, sondern um die Gesammtheit der Beziehungen. Wenn man den Stil erfassen und beschreiben will, so geht es darum die für die Gesammtheit der Stilelemente bestimmenden Ordnungsprinzipien zu ermitteln. Das heisst, es ist festzustellen, welche Besonderheiten der Stilelemente dem Text eigentümlich sind. Und diese Eigentümlichkeiten des Stils, die sich aus dem Zusammenwirken verschiedener Stilelemente ergeben, werden als Stilzüge bezeichnet. Also Stilzüge sind die auf der Häufigkeit, Verteilung und Verbindung der Stilelemente beruhenden charakteristischen Besonderheiten des Stils.

z.B.:

Knappheit

der ruhige Art des sachlichen Berichtes

die deutliche Pointierung des Schlussteils

Stiltypen

Inerhalb der mehreren konkreten Redestile lassen sich Stiltypen unterscheiden. Unter einer Stiltype verstehen wir die unter einem bestimmten Aspekt erfolgende Abstraktion und Zusammenfähung der mehreren Stile gemeinsamen Stilzüge.

Jede Typologie ist eine Klassifizierung, sie beruht auf einem Klassifikationsprinzip, d.h. auf einem von Einteilungskriterien. Es gibt viele Stilklassifikationen.

E. Riesel führt eine Klassifikation vor, die von der normgerechten Verwendung der fakultativen sprachlichen Mittel auf einem bestimmten Gebiet der menschlichen Tätigkeit ausgeht. Sie kommt dabei zu folgenden Stiltypen:

    1. Stil des öffentlichen Verkehrs;
    2. Stil der Wissenschaft;
    3. Stil der Publizistik und Presse;
    4. Stil des Alltagsverkehrs;
    5. Stil der schönen Literatur.

 

Stilnormen

Das Auftreten bestimmter Stilelemente, Stilzüge, Stiltypen ist nicht alleine vom Sprecher abhängig. Ihre Auswahl und Anwendung sind durch den Sprecher jedoch bis zu einem gewissen Grad durch aussersprachliche Faktoren bedingt. Die verfügbaren sprachlichen Mittel weisen eine Spezialisierung auf bestimmte Anwendungsbereiche und soziale Spheren auf, d.h. es gibt gesellschaftliche Normen. Bei diesen Normen handelt es sich um gesellschaftliche Werte, an die der einzelne Sprecher gebunden ist. Diese Normen gestatten dem Sprecher einen gewissen Spielraum, und der Sprecher erreicht einen besonderen Effekt, wenn er die Norm überspielt. Doch gerade darin zeigt sich, dass der Gebrauch der sprachlichen Mittel nicht nur an bestimmte sprachliche, sondern auch an aussersprachliche Bedingungen gebunden ist. Dabei handelt es sich um den Sprachgebrauch unter stilistischer Sicht, und solche Normen werden als Stilnormen bezeichnet. Die Stilnorm ist die gesellschaftlich gültige Bevorzugung synonymischer Varianten in einem besimmten Anwendungsbereich. Innerhalb der komplizierten Bedingungen unter denen „normalerweise“ die Wörter gebraucht werden können, sind folgende 4 Aspekte zu berücksichtigen:

  1. emotionaler Aspekt;
  2. zeitlicher Aspekt;
  3. räumlicher Aspekt;
  4. fachlicher Aspekt.

 

1) unter diesem Aspekt werden die Wörter hinsichtlich ihrer allgemeinen emotionalen Höhenlage (Stilschicht), sowie ihrer speziellen emotionalen Höhenlage (Stilfärbung) charakterisiert.  Die Stilschicht, die die Sprecher der bildungstragenden Bevölkerung als Normallage betrachten, wird als normalsprachlich (Standart, Hochsprache) bezeichnet. Innerhalb der normalsprachlichen Schicht gibt es eine Untergruppe, die als umgangssprachlich bezeichnet wird. Und über- bzw. unter der normalsprachlichen Schicht liegen die gehobene Stilschicht bzw. die Salopp- und vulgäre Stilschicht.

Die Stilfärbung gibt im Gegensatz den Stilschichten nicht die allgemeine emotionale Höhenlage eines Wortes an, sondern eine spezielle emotionale Nuance, die zur Stilschicht hinzutretten kann.

z.B.:  Adams Kostüm

Papierdeutsch

 

2) Unter dem zeitlichen Aspekt sind die Wörter und Wendungen zunächst in zwei Hauptgruppen anzuordnen:

  1. zeitlich neutral;
  2. zeitlich nichtneutral.

Innerhalb der 2. Gruppe unterscheidet man veraltete Wörter, historische Wörter, neue Wörter, Neubedeutungen, Modewörter.

 

3) Unter dem räumlichen Aspekt ergeben sich 2 Gruppen:

  1. landschaftlich gebundene;
  2. landschaftlich nichtgebundene.

Innerhalb der ersten Gruppe erfolgt die Differenzierung durch die Zuordnung der Wörter zum entsprechenden Sprachraum.

 

4) Unter dem fachlichen Aspekt erfolgt eine Differenzierung in Hinblick auf die Spezialisierung der lexikalischen Mittel auf bestimmte Fachgebiete. Ausgangsbasis dafür ist wieder eine Zweiteilung:

  1. Allgemeinwortschatz;
  2. Fachwortschatz.

Die inhaltliche Aufgliederung des Fachwortschatzes erfolgt in Hinblick auf die Fachgebiete (Medizin, Landwirtschaft u.s.w.).

 

 

Verhältnis von Analyse und Synthese

 

Bei der Definition dieser Begriffe beziehen wir uns auf die Gedanken der Psychologen. Die Analyse ist die gedankliche Zergliederung eines Gegenstandes, einer Erscheinung, oder Situation, sowie die Herausbildung ihrer Elemente, Teile oder Seiten. Die Synthese stellt das durch die Analyse zergliederte Ganze wiederher und deckt die wesentlichen Zusammenhänge und Beziehungen der durch die Analyse gesonderten Elemente auf. Analyse und Synthese sind untrennbar miteinander verbunden. Für die Arbeit am Stil bedeutet es, dass es keine „reine“ Stilanalyse geben kann. Das Endziel der Stiluntersuchung eines Textes besteht nicht darin das Ganze einfach zu zergliedern. Stil ist die Gesamtheit der fakultativen Varianten der Rede. Und diese Gesamtheit ist etwas anderes als die Summe dieser Elemente. Der Stil eines Textes lässt sich nur dann erfassen, wenn die Analyse durch die Synthese ergänzt wird. Und am Ende der Stilanalyse eine zusammenhängende Darstellung der Beziehungen zwischen den Stilelementen erfolgt. Zu erklären ist in diesem Zusammenhang die Frage in welchem Verhältnis die Beschreibung und die Erklärung des Stils eines Textes innerhalb einer linguistischen Stiluntersuchung stehen. Die Beschreibung des Stills ist die Wiedergabe der Gesamtheit des Zusammenhanges der Stilelemente der Rede. Und die Erklärung des Stils ist die Beantwortung der Frage auf Grund welcher Ursachen und Bedingungen der durch die Beschreibung erfasste Stil zustande gekommen ist. Warum innerhalb der Reihe synonymischer Möglichkeiten gerade diese und keine andere sprachliche Variante gewählt wurde. Die Erklärung des Stils führt über die Ebene der sprachlichen Elemente hinaus in soziologische, psyhologische, ästhetische und andere Aspekte und kann daher nicht mehr zu linguistischer Stiluntersuchung im engeren Sinne gerechnet werden. Bei der Stiluntersuchung werden neben der speziellsprachwissenschaftlichen auch andere Gesichtspunkte beachtet.

 

Methodik der Stiluntersuchung

Bei der wissenschaftlichen Aufgabestellung den Stil eines Textes zu beschreiben und zu beurteilen kann auch die Intuition eine positive helfende Rolle spielen. Aber sie kann auch zu oberflächlichen oder gar falschen Urteilen führen. Im Gegensatz zum intuitiven Erfassen stellt die wissenschaftliche Stiluntersuchung die empirisch gegebenen sprachlichen Fakten, auf denen bestimmte Stilzüge beruhen, sowie die quantitativen und qualitativen Beziehungen zwischen diesen sprachlichen Fakten dar. Die wissentschaftliche Stiluntersuchung zeigt in logischer Form, welche Ordnungsprinzipien den verschiedenartigen Stilelementen des Textes zugrunde liegen. Sie stützt sich auf sprachliches Material des Textes. Für die erste Orientierung bei der Stiluntersuchung lassen sich methodische Grundstufen begründen. Sie werden aus der Tatsache abgeleitet, dass der Stil der Rede die Gesamtheit der Stilelemente, bzw. der Stilzüge darstellt, dass sich der Stil einer Rede aus kleineren Einheiten aufbaut, die in einem Verhältnis zueinander stehen. Jeder Stilelement ist ein integrierender Bestandteil größerer Einheiten. Der strukturelle und funktionale Wert der einzelnen Stilelemente, bzw. Stilzüge ist nur aus dem Stilganzen heraus zu verstehen. Doch auch der Stil der Rede darf nicht isoliert gesehen werden, auch er kann nur richtig interpretiert werden, wenn wir ihn wieder im Zusammenhang mit dem Redeganzen betrachten. Zwischen dem Teil und dem Ganzen bestehen korrelative Zusammenhänge, die bei der Analyse der Rede und des Redestils beachtet werden müssen. Innerhalb der linguistischen Stiluntersuchung lassen sich als methodische Grundstufen folgende Ebenen festlegen:

  1. Das Erfassen des Redeganzen oder Lokalisation des Textes.
  2. Das Erfassen der Stilelemente.
  3. Das Erfassen der Stilzüge.

( Analysestufen).

  1. Stilbeschreibung

(Synthesestufe).

 

Was versteht man unter dem Erfassen der Stilelemente?

Jeder Text enthält eine relativ große Anzahl von Stilelementen, die man bei der Textanalyse zu erfassen braucht. Um die Fülle der in Frage kommenden Stilelemente zu erfassen, ist es notwendig den Reichtum der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu kennen und die im Text verwendeten Mittel und Gebrauchsweisen als synonymische fakultative Varianten zu begreifen.

Man muss wissen, in welcher konkreten sprachlichen Gestalt und auf welcher linguistischen Ebene Stilelemente auftreten. Es sollen folgende Aspekte betrachtet werden:

  1. lexikalische Elemente:
  • semantisch begrifflicher Aspekt
  • semantisch expressiver Aspekt
  • historischer Aspekt
  • regionaler Aspekt
  • sozialer Aspekt
  • fachsprachlicher Aspekt
  • Fremdwortaspekt
  • Wortbildungsaspekt
  • phraseologischer Aspekt
  1. grammatische Elemente:
  • Klassifikation der Sätze
  • Ausnutzung der fakultativen Satzgliedstellen
  • Satzgliedfolge
  • Verknüpfung zwischen den Satzgliedern und Sätzen
  1. phonetische Elemente:
  • Lautwiederholung
  • dynamische Abstufung
  • melodische Abstufung
  • zeitliche Aufgliederung

 

Unter dem Aspekt der dynamischer Abstufung erfassen wir alle fakultativen Varianten, die auf der Ebene des Akzents und Rythmus auftreten. Sie realisieren sich als bestimmte Folge von Merkmalen der Stimmlautstärke (phonetische Eigenschaften der Rede). Sie sind an die Ganzheit der Silbenkette gebunden. Sie werden als prosodische Merkmale bezeichnet.

Die melodische Abstufung der Rede beruht auf prosodischen Eigenschaften auch, die sich als Folge von Merkmalen unterschiedlicher Tonhöhe realisieren.

Unter dem Aspekt der zeitlichen Aufgliederung erfassen wir lautliche Quantitätsverhältnisse. Das sind Sprechtempo und Redepausen.

 

Was versteht man unter dem Erfassen der Stilzüge?

Bei den Stilelementen handelt es sich um konkrete linguistische Fakten - und Stilzüge bilden Abstraktionen. Jeder Stilzug wird durch bestimmte lexikalisch-phraseologische, grammatische und phonetische Mittel umgesetzt. Mit anderen Worten: die abstrakte Stilkategorie wird sprachlich verwirklicht durch eine Gesamtheit konkreter Ausdrucksmittel. Sehr oft werden bei der Textanalyse die einzelnen Stilelemente aufgezählt ohne das das Verbindende zwischen diesen sprachlichen Faktoren erkannt und benannt wird. E. Riesel nennt einige Stilzüge und stellt sie zu Gegensatzpaaren zusammen:

z.B.:

knapp – breit

klar – verschwommen

emotional mit subjektiver Wertung – nicht emotional mit  objektiver Beurteilung

bildhaft – bildlos

statisch – dynamisch

Die genannten Stilzüge können sich miteinander verflechten und je nachdem funktionalen Charakter des Redeganzen mehrmals innerhalb eines großen Zusammenhangs wechseln.

 

 

 

Thematische Gruppen, synonymische Reihen

Materielle Voraussetzung für eine wirksame sprachliche Gestaltung unserer Gedanken ist die Möglichkeit aus einem großen Anzahl von thematisch und synonymisch miteinander verbundenen Wörtern gerade das richtige oder das treffende Wort herauszugreifen. Von diesem Standpunkt aus ist die Frage der thematischen Gruppen, thematischen Reihen und der Synonymie wichtig,

z.B. im Wortfeld gehen werden folgende Wörter aufgezählt:

schleichen

eilen

laufen

springen

rennen

jagen

u.s.w.

zusammen 25 Wörter. Es handelt sich um 2 thematische Gruppen: gehen und laufen.

Innerhalb der thematischen Gruppe gehen lassen sich zahlreiche thematische Reihen unterscheiden.

Die thematischen Reihen drücken untereinander verwandte aber nicht gleiche Begriffe aus. Z.B. in unserem Fall unterscheiden wir folgende thematischen Reihen:

    1. langsam gehen
    2. schnell gehen
    3. unbemerkt gehen

innerhalb jeder thematischen Reihe unterscheidet man synonymische Reihen.

Das sind die Wörter mit gleicher oder geringfügig schattierter Bedeutung von verschiedenen Seiten her.

So enthält z.B. die thematische Reihe langsam gehen folgende synonymische Reihen:

    1. ohne Ziel gehen (schlendern, bummeln)
    2. wegen körperlicher Behinderung langsam gehen (humpeln)
    3. aus Schlaffheit langsam gehen (latschen)

 

Ein einziges treffendes Wort ersetzt oft eine umständliche Erklärung.

z.B.:  eine Frau geht über die Straße

eine Frau schleppt sich über die Straße

eine Frau trippelt über die Straße

Jedes Beispiel führt eine anschauliche bildhafte Situation vor Augen.

Kontextuale Synonyme

Die vollständigen und unvollständigen Synonyme werden zusammen als allgemein gültige gemeinsprachliche Synonyme bezeichnet. Anders steht es mit so genannten kontextualen Synonymen, deren Synonymie erst im Satz und Großzusammenhang entsteht. Es handelt sich um Wörter von verschiedener logisch-gegenständlicher Bedeutung.

z.B.: Wörter Rose und Blume sind nicht synonym, im Großzusammenhang aber sind sie gegenseitig ersetzbar und werden zu kontextualen Synonymen:

Er bereichte ihr eine herrliche Rose. Die Blume duftete so stark…

 

Der Wortbestand nach seiner funktionalen Verwendung

Wenn wir den gesamten Wortbestand nach seiner Zugehörigkeit zu den einzelnen schriftlichen und mündlichen Stilen der Nationalsprache untersuchen, müssen wir 2 Gruppen unterscheiden:

    1. der funktional-stilistisch undifferenzierte Wortbestand, d.h. allgemein verständliche und allgemein gebräuchliche Wörter.
    2. der funktional-stilistisch differenzierte Wortbestand, d.h. Wörter und Wendungen, deren Verwendungsbereich durch gewisse zeitliche, territoriale, berufliche, soziale, nationale Schranken eingeengt ist.

Zu der ersten Gruppe gehört vor allem die mehr oder weniger stabile lexikalische Basis der Sprache, der Grundwortbestand der Sprache. Ohne seine Mithilfe kann keine geschlossene Äußerung zustande kommen. Die zu ihm gehörigen Sprachgebilde bezeichnen lebenswichtige Gegenstände, Eigenschaften und Handlungen. Sie bilden die stilistisch neutrale Grundlage. Die Wörter des Grundwortbestandes haben in allen funktionalen Stilen das gleiche Gewicht, die gleiche Verbreitung.

Der funktional-stilistisch differenzierte Wortbestand

Diese Wortschatzschichten werden in verschiedenen Stilen der Sprache verschieden verwendet. Sie können in verschiedenen Stilen verschiedene stilistische Funktionen ausüben. Diese Wortbestandgruppe ist von der Zweckbestimmung des Stils, in dem sie verwendet wird, abhängig. Ihre stilistische Funktion, ihr expressiver Ausdruckswert sind mit der konkreten Sprechsituation verbunden.

 

    1. Archaismen und Historismen

Das sind die Wörter, die vom Standpunkt der Gegenwart aus veraltet sind. Historismen sind Wörter, die mit dem Begriff, den sie ausdrücken, verschwunden sind. Aber einige Wörter können aus der Literatursprache abgehen, in der Umgangssprache, sowie in den einzelnen territorialen und sozialen Dialekten aber erhalten bleiben. Z.B. in der modernen deutschen Sprache ist das Wort Roß veraltet, aber in den Süddeutschen Dialekten (Bayern, Österreich) bleibt dieses Wort im Alltagsverkehr erhalten. Der Alpenbauer hat sein Roß im Stahl, aber kein Pferd. Von besonderem Interesse für den Stilforscher sind die lexikalischen Archaismen in ihrer Eigenschaft als stilistisch expressive Ausdrucksmittel. In erster Linie werden Archaismen und Historismen zur Zeichnung des historischen, beruflichen und sozialen Kolorits verwendet.

Archaismen und Historismen haben noch eine wichtige Funktion, sie eignen sich als Mittel der Satire. Mit ihrer Hilfe kann ein bestimmtes Zeitkolorit parodiert, können bestimmte Sitten und Anschauungen verspottet werden. Z.B. Lessing nennt ein Theater in Paris ein altes Ballhaus.

Die dritte wichtige Ausdrucksfunktion des Archaismus ist seine Verwendung im Dienst der Poetisierung, zur Schaffung eines poetischen Kolorits. Z.B. Goethe gebraucht folgende Wendung: „gemalte Scheiben“.

 

    1. Neologismen

Neue Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen, können verschiedene Schicksale haben. Einige bleiben auf der Stufe des individuellen Gebrauchs, wir nennen sie einmalige Neologismen (Einmalbildungen). Die anderen werden eine Weile im Zusammenhang mit bestimmten Zeiterreignissen gebraucht, gehen aber später zu den Archaismen, das sind vorübergehende Neologismen.

Und zu der dritten Gruppe gehören die Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen, und in den allgemeinen Wortbestand eingehen. Es handelt sich um Neologismen bestimmter Zeitabschnitte.

Die Einmalbildungen kommen am häufigsten im Bereich der schönen Literatur vor. Die vorübergehende Neologismen zeigen auf ein bestimmtes Zeitkolorit der Rede. Und die dritte Gruppe es sind ursprünglich Fachausdrücke einer neuen Ökonomik, einer neuen Gesellschaftsform, einer neuen Kultur, sie werden in kürzester Zeit zu sprachlichen Gemeingut und sprengen die funktionalen Grenzen dieses oder jenes Stils.

 

Dialektismen, Vulgarismen, Jargonismen

    1. Die Dialektismen sind nichtliterarische Wörter und Wendungen, beschränkt auf einen ganz engen Kreis dieser oder jener Mundart.
    2. Man unterscheidet noch die territorialen Dubletten. Das sind Synonyme innerhalb der Literatursprache. Man unterscheidet folgende Typen der Dubletten:
      1. Vollständige Synonyme: Schrank (Norddeutschland), Kasten (Süddeutschland), Schlachter - Metzger.
      1. Die Wörter dieser Gruppe sind inhaltlich vollständig, doch besteht zwischen ihnen eine Schattierung: „Falter“ anstatt „Schmetterling“ hat für das norddeutsche Ohr poetische Färbung, für das süddeutsche umgangssprachliche.
      2. Einen dritten Typ territorialer Dubletten stellen Synonyme dar, die sowohl inhaltlich, als auch stilistisch abgeschattet sind: Lehrstuhl (Deutschland) – Lehrkanzel (Österreich); Januar – Jänner; Kartoffeln – Erdäpfel; Aprikosen - Marillen.

Territoriale Dubletten sind für alle verständlich, das Verständnis der Dialektismen zwischen Norden und Süden stößt auf bestimmte Schwierigkeiten. Die Dialektismen haben nur im Alltagsstil sachlich-neutrales Geträge. Falls sie in anderen Stilen verwendet werden, nehmen sie expressive Färbung an. Wozu dienen Dialektismen und Dubletten im Text? Durch den Gebrauch von landschaftsgebundenen Ausdrücken wird realistisches Ortskolorit erzielt.

 

Soziale Gliederung: Argotismen

Unter Argotismen versteht man Wörter des Argot. D.h. Wörter einer Sonderlexik volksfremder Elemente. Und einzelne Argotismen sind aus den engen Kreisen der deklassierten Elemente in die allgemeine Volkssprache eingedrungen – das sind Vulgarismen.

Jargonismen sind die Wörter aller sozialen Schichten.

 

Berufliche Gliederung: Fachausdrücke

Unter Fachausdrücken versteht man:

    1. Termini verschiedener Wissensgebiete: Kernspaltung, Assimilation.
    2. Professionalismen verschiedener Berufssphären: Sichtiges Wetter.
    3. Stark ausgeprägte funktional-stilistische Lexik nichtterminologischer Charakters: zwecks, gemäss, anhand.

Termini und Professionalismen sind nicht allgemein verständlich. Sie tragen dazu bei, die Schilderung wirklichkeitsnahe und lebenswahr zu machen. Sie helfen auch das soziale, berufliche Kolorit farbig vor Augen zu führen. Von den Fachausdrücken sind die sogenannten Berufsgargonismen abzugrenzen. Sie sind in erster Linie im Stil des Alltagsverkehrs bei den Vertretern verschiedener Berufskreise verbreitet.

 

Fremdsprachige Wörter

Die fremdsprachigen Wörter können im Zusammenhang der Rede sowohl eine kommunikative, als auch eine überwiegend stilistische Funktion ausüben.               Sie  helfen bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit möglichst klar auszudrücken. Die stilistische Funktion der fremdsprachigen Wörter tritt besonders stark in der schönen Literatur, zum Teil auch in der Publizistik hervor. Fremdsprachige Wörter helfen uns das Kolorit der Darstellung zu verstehen. Wir müssen aber unterscheiden, in welchen Fällen die Verwendung des Fremdwortes durch die Epoche (in der der Autor lebt) bedingt ist, und in welchen das Fremdwort zur bewussten Stilisierung gebraucht wird. Die fremdsprachigen Wörter können im Dienst der Humor und Satire stehen, z.B. im Mund von ungebildeten Menschen können fremdsprachige Wörter phonetisch und morphologisch falsch verwendet werden.

Noch eine wichtige stilistische Funktion besteht in der Vermeidung von Wiederholung: korrigieren und verbessern, physisch und körperlich.

Eine besondere Gruppe bilden die sogenannten fremdsprachigen Zitate. Sie stellen keine lexikalische, sondern eine stilistische Erscheinung dar. In stilistischer Hinsicht erfüllen sie folgende Funktionen:

    1. erstens dienen sie der objektiven Mitteilung;
    2. zweitens bilden sie einen wichtigen Bestandteil der historischen Koloritzeichnung.

Sie dienen stilistisch expressiven Zwecken.

 

 

Der Wortbestand nach seiner semantisch-expressiven Stilfärbung

 

Diese Färbung besteht aus 2 Komponenten:

  • aus der Stilfärbung nach der literarischen Qualität;
  • aus der Stilfärbung nach der Expressivität der Rede.

Was im täglichen Sprachgebrauch als neutrale Lexik und Phraseologie gilt, müsste terminologisch als Wortschatz von einfach-literarischer Stilfärbung mit absoluter Nullexpressivität bezeichnet werden.

Die Lexik und Phraseologie gehobener Stilfärbung bilden Oppositionen in Form stilistischer Synonyme zur Lexik und Phraseologie einfach-literarischer Stilfärbung, z.B.: Gemahl – Gatte; Geburtstag – Tag der Geburt.

Verschiedene Dokumente des öffentlichen Verkehrs verbinden die gehobene Stilfärbung mit offizieller Förmlichkeit, z.B.:Wir danken verbindlichst – danken sehr.

 

Stilfärbung nach der Expressivität der Rede

Die Expressivität der Aussage bewirkt gewöhnlich ein Abrücken von Nullpunkt der Stilfärbungsskala in die Richtung zum Umgangssprachlichen. Die Grenze zwischen der einfach-literarischen und der literarisch-umgangssprachlichen Lexik ist oft schwer zu bestimmen. Ein Typ geht in einen anderen über. Der Alltagswortschatz dringt in die Sprachnormen der schönen Literatur ein. Er bereichert den literarischen Wortbestand. Zahlreiche Argotismen und Vulgarismen streifen mit der Zeit ihren groben Charakter ab und bewahren nur expressive Stilfärbung.

Im Rahmen der Stilfärbung nach der Expressivität der Rede lassen sich folgende Gruppen unterscheiden:

  • phraseologische Fügungen;
  • Mittel des bildlichen Ausdrucks;
  • Mittel der Umschreibung und Merkmalshervorhebung.

 

Phraseologische Fügungen

Vom stilistischen Standpunkt aus unterscheidet man 2 große Gruppen. Die erste Gruppe, sogenannte einfach-literarische Gruppe, das sind die phraseologischen Fügungen, die funktional differenziert sein können, aber keine semantisch expressive Stilfärbung besitzen.

Die zweite Gruppe, das sind die phraseologischen Fügungen verschiedenster semantisch-expressiver Stilfärbung.

Die erste Gruppe:

  • substantivische oder verbale Wortverbindungen, denen bei stilistischer Nullexpressivität funktionale Stilfärbung eigen ist: Erste Lautverschiebung,
  • adverbiale Wortverbindungen: leichten Schrittes, stehenden Fußes (одной левой),
  • verbale Wortverbindungen, die aus einem abstrakten Substantiv und einem Verb bestehen: Angst bekommen, in Erfüllung gehen.

 

Die zweite Gruppe

Diese Fügungen können verschiedene Ausdrucksschattierungen haben. Sie können literarisch-umgangssprachlich, familiär, grob sein.

Der Stil des offiziellen Verkehrs meidet die expressive Phraseologie. In allen übrigen Verwendungsweisen der Sprache wird sie mehr oder weniger verwendet. Zur expressiven Phraseologie gehören stehende Verbindungen, die erstens einen Einzelbegriff ausdrücken, das sind Idiome und Zwillingsformen, zweitens einen abgeschlossenen Gedanken in Satzform mitteilen, das sind Sprichwörter, Aphorismen und drittens eine Mittelstellung zwischen den beiden Typen einnehmen, das sind stehende Vergleiche.

Die oben genannten stehenden Verbindungen üben diegleiche stilistische Funktion aus. Es ist Verstärkung der Anschaulichkeit, Emotionalität und Überzeugungskraft.

 

Idiome

Unter der Idiome versteht man stehende Verbindungen, die einen Einzelbegriff ausdrücken, in der Regel stark expressiv und bildhaft (den Kopf in den Sand stecken; jemandem die Augen auf etw. öffnen)

 

Zwillingsformen (Wortpaare)

Sie drücken meist einen Begriff tautologisch aus: kurz und knapp, mit Kind und Kegel, Kreuz und Quer.

 

Sprichwörter

Sie sind altes Nationalgut. Sie sind im Volk entstanden. Man kann sie als einfachstes Genre der mündlichen Volksdichtung betrachten. Dem Inhalt nach sind sie meistens lehrhaft.

 

Unter dem Namen geflügelte Worte werden Aussprüche aus nachweisbaren Quellen (Mythologie, Bibel) zusammengefasst. Und die Aussprüche bekannter Staatsmänner, Persönlichkeiten, Philosophen nennen wir Aphorismen.

 

Stehende Vergleiche

weiß wie der Schnee; lügen wie der Wetterdienst.

 

 

Ausdruckswerte der expressiven Phraseologie

 

Der wichtigste Ausdruckswert besteht darin, das Gesagte anschaulich, lebendig und emotional zu machen. Expressive Phraseologie zeigt auch die persönliche Einstellung des Sprechers zum Gegenstand seiner Rede. Ein weiterer wichtiger Ausdruckswert der expressiven Phraseologie besteht in ihrer Eignung als Mittel von Humor und Satire. Zahlreiche stehende Wortverbindungen (Idiome, stehende Vergleiche, Sprichwörter) enthalten schon an sich ein komisches oder groteskes Bild,

 

z.B., Ein Mann, ein Wort – eine Frau, ein Wörterbuch;

Schlank, wie eine Tonne.

 

Mittel des bildliche Ausdrucks

Mittel des bildlichen Ausdrucks sind Vergleich und Tropus. Manche Forscher unterscheiden streng zwischen Vergleichen und Tropen. Andere Forscher sehen hingegen im Vergleich den einfachsten Tropus. Der Vergleich verbindet 2 Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken und ruft durch die bloße Nebeneinanderstellung sprachökonomisch eine Fülle von bildhaften Assotiationen hervor, z.B., solche Wendung, wie „der Mensch kämpft, wie ein Löwe“ erweckt eine neue Vorstellung: mutiger, tapferer Mensch.

Ein guter Vergleich trägt zur Knappheit und Zuspitzung des Ausdrucks bei.

Jeder Vergleich besitzt eine Vergleichsbasis („tertium comparationis“). Die meisten Vergleiche sind mehr oder weniger hyperbolisch. Der Struktur nach unterscheidet man einfache und erweiterte Vergleiche. Die einfachen Vergleiche bestehen aus einer Wortgruppe. Die erweiterten Vergleiche umfassen den ganzen Satz oder eine Reihe von Sätzen.

Tropen

Die Tropen sind Mittel des bildlichen Ausdrucks auf Grund übertragener Bedeutung. Unter Tropus (aus dem Griechischen „Wendung, Vertauschung des Ausdrucks“) versteht man:

  1. die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere unter der Voraussetzung, dass eine äußere oder innere Ähnlichkeit diese Übertragung rechtfertigt. In diesem Fall sprechen wir  von der Metapher und ihren Abarten;
  2. den Ersatz der Namensbezeichnung durch eine andere. In diesem Fall sprechen wir von der Metonymie.

Wir interessieren uns für Tropen als Mittel des bildlichen Ausdrucks. Sie bewirken höchste Knappheit und Zuspitzung der Darstellung, appelieren an die Phantasie des Lesers oder Hörers.

Als besondere Abarten der Metapher gelten: Personifikation, Allegorie, Synästhesie.

Die Personifikation ist die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesens auf ein unbelebtes Wesen. So zeichnet H.Heine in der „Harzreise“ den Wald als eine Familie.

 

Die Sonne meinte es recht ehrlich mit mir. Die gab eine gar liebe kindliche Beleuchtung.

 

Die Personifikation geht in die Allegorie (Symbol) über. Der Frühling ist ein lieblicher Jüngling, der Winter als alter Mann, die Sonne als Frau dargestellt. In verschiedenen Sprachen entstehen oft verschiedene Personifikationen.

 

Die 3. Abart der Metapher ist die Synästhesie. Darunter verstehen wir die Verbindung von 2 verschiedenen Sinnesempfindungen, wobei die eine übertragene Bedeutung annimmt, z.B., seidene Stimme; weicher Schritt; warme Farbe.

 

Weiter betrachten wir die Metonymie. Hier beruht die Vertauschung zweier Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken auf logischen Beziehungen untereinander, und zwar:

  1. auf einem Raumverhältnis – die ganze Stadt _ Einwohner der Stadt
  2. auf einem Zeitverhältnis – das Zeitalter der Technik fordert _ die Menschen im Zeitalter der Technik fordern
  3. auf einem Stoffverhältnis – Traube anstatt Wein
  4. auf einem Kausalitätsverhältnis – deine Lieder sind schwer von Mohn (der Mohn hat einschläfernde Wirkung)
  5. auf einem Symbolverhältnis – Lohrbeer _ Ruf, Taube _ Frieden
  6. auf einem Quantitätsverhältnis, sie hat einen besonderen Namen „Synekdoche“, z.B., Mein Fuß (ich) betritt nicht mehr diese Schwelle.
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