Die Sprachregelung auf dem Gebiet der Aussprache

MINISTERIUM FÜR BILDUNGSWESEN UND WISSENSCHAFT,

JUGEND UND SPORT DER UKRAINE

NATIONALE LINGUISTISCHE UNIVERSITÄT KYJIW

LEHRSTUHL FÜR DEUTSCHE PHILOLOGIE

 

 

 

 

Selbständige Arbeit zum Thema:

 

Die Sprachregelung auf dem Gebiet der Aussprache

Vorgelegt von der Studentin

                                                                             

                                                                          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kyjiw–2013

Inhalt:

Einleitung…………………………………………………..……………….………2

  1. Die Vokale………………………………………………..……………………..3

1.1. Kurze Vokale - wie wir kurz gesprochene Vokale schriftlich kennzeichnen

1.2. Lange Vokale - wie wir lange Vokale schriftlich kennzeichnen

1.3. Die Besonderheiten der deutschen Vokale

  1. Die Konsonanten………………………………………………………………..6

2.1 Auslautverhärtung und Endung auf –ig

2.2. Besonderheiten bei s

2.3. Die Besonderheiten der deutschen Konsonanten

  1. Die Wortbetonung……………………………………………………………….8

3.1. Zusammensetzungen aus Adjektiven

3.2. Zusammensetzungen aus Partikeln

3.3.  Zusammensetzungen aus Numeralien mit einigen Substantiven

3.4. Dreigliedrige  Zusammensetzungen

3.5. Betonung fremder Wörter

3.6. Betonung in Abkürzungen

  1. Die Intonation………………………………………………………………….13

4.1. Töne

4.2. Tonzuweisung

Schlussfolgerungen………………………………………………………………..18

Literaturverzeichnis………………………………………………………………..19

 

 

 

 

 

 

 

 

Einleitung:

Die menschliche Sprache tritt für die Sprachbenutzer im Allgemeinen in zwei

Formen in Erscheinung, erstens als gesprochene (hörbare), zweitens als geschriebene

(sichtbare) Sprache.

Sprachliche Varianz ist eine allgemeine Erscheinung, die es in allen natürlichen

Sprachen der Welt gibt. In  künstlich zusammengestellten Sprachen wie in der Esperantosprache, fehlt gerade diese Varianz, damit sie leichter erlernbar ist. Da viele Benutzer dieses Lehrbuchs Ungarisch als Ausgangssprache sprechen und die deutsche Standardsprache häufig im institutionellen Rahmen gelernt haben, muss betont werden, dass sie „nur“ die deutsche Standardsprache gelernt haben, die aber nicht mit dem Deutschen identisch ist. Synthetisierende Grammatikdarstellungen zeigen zwar ein homogenes Bild auch bezüglich der deutschen Sprache. Trotzdem müssen vor allem im phonetischen Bereich die Varianzerscheinungen immer berücksichtigt werden. Wenn nun das Deutsche und das Ungarische miteinander verglichen werden, sticht gleich ins Auge, dass es im Ungarischen im Vergleich weniger Varianz existiert. Die Variation im Deutschen erreicht „erstaunliche Ausmaße u d vielfältige Abstufungen“. Diese Unterschiede müssen deswegen hervorgehoben werden, weil diese Varianz und dialektale Färbung im Ungarischen in dieser Ausprägung unbekannt ist. Natürlich gibt es auch im Ungarischen Dialekte, allerdings ist ihre sprachliche Varianz nicht so groß wie im Deutschen es der Fall ist. Die deutsche Sprache ist – im Gegensatz zum Ungarischen – eine plurizentrische Sprache. Dies bedeutet, dass im geschlossenen deutschen Sprachraum während der sprachgeschichtlichen Entwicklung verschiedene Zentren (politische, kulturelle, wirtschaftliche, regionale usw.) existierten und auch heute noch existieren. Aus diesem Grunde bezeichnet der Begriff „die deutsche Sprache“ kein einheitliches Phänomen. Das Deutsche ist also auch in Bezug auf die phonetische Komponente eine plurizentrische Sprache. Die Zentren innerhalb des deutschen Sprachraums sind jedoch nicht identisch mit den vorhandenen (oder früheren) politischen Grenzen.

 

 

1. Die Vokale

1.1. Kurze Vokale - wie wir kurz gesprochene Vokale schriftlich kennzeichnen

  1.1.1. Hinter einem kurzen, betonten Vokal kommt meistens ein doppelter Konsonant

Grundsätzlich kann man sagen: Wenn ihr im Wort einen kurzen, betonten Vokal habt, dann kennzeichnet man diesen kurzen Vokal meist, indem der dahinterstehende Konsonant, wenn ihr das Wort schreibt, verdoppelt wird. Bei doppelten -k und doppelten -z stattdessen -ck und -tz schreiben! (in Fremdwörtern wird in der Regel kein -ck geschrieben).

z.B.: Ebbe; schlaff; knurren; Hass; Hacke; Trotz

1.1.2. Der erste Typ der Ausnahmen: Es gibt einige Fälle, in denen der Konsonant nicht verdoppelt wird, obwohl er einem kurzen, betonten Vokal folgt.

Das ist so...

  • bei oftmals einsilbigen Wörtern - Klub, Bus, Kap;
  • bei Wörtern mit -ik und -it im Wort - Politik oder Kritik;
  • bei Wörtern mit Bestandteilen, die nie alleine, sondern nur in einer bestimmten Wortkombination vorkommen - Brombeere, Damwild, Walnuss;
  • wenn auf den Konsonanten ein -d, -st oder -t folgt - Brand (trotz brennen),  Gespinst (trotz spinnen), Geschäft (trotz schaffen).

1.1.3. Der zweite Typ der Ausnahmen: Es gibt einige Fälle, in denen der Konsonant verdoppelt wir, obwohl davor ein unbetonter Vokal steht.

Normalerweise stehen doppelte Konsonanten nur hinter betonten, kurzen Vokalen. Ihr kennt die Regel intuitiv und setzt hinter den unbetonten Vokalen immer nur einen Konsonanten. Leider kann es aber auch der Fall sein, dass hinter einem unbetonten Vokal ein doppelter Konsonant folgt.

Das ist so...

  • wenn auf einen kurzen, unbetonten Vokal ein scharfes, stimmloses s folgt (das s wird verdoppelt): Karussell; passieren; Kassette oder Fassade ;
  • wenn in einem Wort -in oder -nis oder -as, -is, -os oder -us vorkommen und hinter dem Konsonanten (hinter dem s) bei erweiterter Form wiederum ein Vokal stünde, verdoppeln wir den Konsonanten in der erweiterten Form. Beispiele: Ärztin- Ärztinnen; Albatros- Albatrosse, Kenntnis- Kenntnisse;
  • Es gibt einige Wörter bei denen sich die Betonung ändert, wenn man verwandte Wörter bildet, sodass vor einem doppelten Konsonanten plötzlich ein kurzer Vokal steht. Hier bleibt der doppelte Konsonant erhalten! Z.B. Kontrolle / kontrollieren.

1.2. Lange Vokale - wie wir lange Vokale schriftlich kennzeichnen

Die langen Vokale a, e, o, und u werden vor r, l, m und n oft durch ein stummes h gekennzeichnet. Z.B. lahm, Rohr, hohl, dehnen.

Oft dient das h auch, um eine Silbenfuge zu markieren - Kühe, Zehen, drohen.

Es gibt zwei Regeln, die festlegen wann ein h geschrieben werden muss (siehe unten). Es gibt allerdings auch Fälle, in denen ein einfacher Vokal steht wie bei Rasen oder aber Fälle, in denen der Vokal verdoppelt wird wie bei Haar. Hierfür gibt es leider keine festen Regeln.

Das lange i wird grundsätzlich mit ie geschrieben. Auch hier gibt es einige wenige Ausnahmen, bei denen das lange i entweder -ih oder -ieh geschrieben wird. Z.B. ihr, ihre, Vieh.

1.2.1. Wenn auf einem langen, betonten Vokal ein anderer Vokal folgt, kommt hinter den langen Vokal ein h   : nahen; gehen; Kühe; fähig; früh (wegen frühe).

1.2.2. Wenn auf einen langen betonten Vokal einer der Konsonanten l, m, n oder r folgt, wird oft noch ein h nach dem langen Vokal geschrieben - begehren; Höhle; ahnen; Ruhm und die Einzelfälle ahnden, fahnden.

1.3. Die Besonderheiten der deutschen Vokale

- Die phonologische Gegenüberstellung der langen und kurzen Vokale

der Staat – die Stadt

das Beet – das Bett;

- Der Neueinsatz (der feste Einsatz) am Anfang des Wortes oder Morphems (im Anlaut)

’Anna ’ist ’allein

’er’innern

’an’einander;

- Zwei Arten des Absatzes : der starke Absatz und der lose Absatz.

Vergleichen Sie: in – ihn, ab – aber, ob – Opa;

- Starke Artikulationsspannung des Sprechapparates während der Aussprache der Diphtonge;

- Das Vorhandensein der labialisierten Vokale der vorderen Reihe [y:], [y], [ø:], [oe]

- Das Vorhandensein der drei Diphtonge :

[ae], [ao], [oø:]

 

2. Die Konsonanten

2.1. Auslautverhärtung und Endung auf -ig

2.1.1. Die Verhärtung der Konsonanten b, d, g, v und z, die vorkommt, wenn wir sprechen, wird in der Schreibung nicht berücksichtigt

Oft ist es so, dass wir in einem Wort wie bsw. Rad das d nicht wie ein d aussprechen, sondern eher wie ein t. Genauso wie wir bsw. bei Trug nicht g sondern k sprechen. In solchen Fällen muss man die Schreibung von verwandten Wörtern wie rädern und betrügen ableiten.

  2.1.2. Ein Wort das auf dem Laut -ch endet (wie ewig), wird immer dann mit g geschrieben, wenn eine erweiterte Form am Silbenanfang mit dem Laut g gesprochen wird.

D.h. auch hier hilft es wieder stammverwandte Wörter zu bilden Ewigkeit (wegen ewige); gläubig (wegen gläubige); aber unglaublich (wegen unglaubliche)

2.2. Besonderheiten bei s

2.2.1. Für das scharfe (stimmlose) s nach kurzem Vokal schreibt man ss : Fass; Tasse; anfassen .

2.2.2. Für das scharfe (stimmlose) s nach langem Vokal oder ei, au, eu, äu schreibt man ß, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt: Straße; Spieß; beißen, Strauß.

Vorsicht! Bei einigen Ableitungen verändert sich der Vokal vor s und wird kurz. Entsprechend wird ß zu ss:

fließen - er floss - Fluss - das Floß; 

 genießen - er genoss – Genuss.

2.3. Die Besonderheiten der deutschen Konsonanten

1) Artikulationsspannung während der Aussprache;

2) Die Behauchung der Verschlusssprenglaute [p], [t], [k]:

Ton, Kasse, Papa, Thema;

3) Die Halbstimmhaftigkeit der stimmhaften Konsonanten

[d], [b], [g], [z], [v], [j] :

Bruder [*b], Saal [*z] , das [*d], Wind [*v] ;

4) Regressive und progressive Assimilation nach der Stimmlosigkeit

das Buch [das *bu:x]

der Herbst [ de:r herpst] ;

5) Die Stimmlosigkeit der stimmhaften Konsonanten am Ende des Wortes oder Morphems (im Auslaut) :

Kind [t], Vöglein [k], lieblich [p] ;

6) Die Spannung der sonoren :

dann alt, nennt, nimm;

7) Das Fehlen der

Linie, Thema, Dieter ;

8) Die alveolare Artikulationsstelle der deutschen Vorderzungenlaute

[d], [t], [n], [l]: Lampe, naschen, dick;

9) Das Zusammenfließen zwei Konsonanten mit der gleichen Artikulationsstelle an der Wortgrenze (Die Gemination):

arbeitet tüchtig, das Salz [t] [s].

 

3. Die Wortbetonung

1. Zusammensetzungen aus zwei Substantiven haben den Akzent auf dem Bestimmungswort: 'Grundwort, 'Fremdsprache. Bestimmungswort trägt auch einen Akzent bei den  Zusammensetzungen, die aus einem Substantiv und einer anderen Wortart bestehen ('Oberfläche, 'Vorstadt);

2.  Zusammensetzungen aus einem Substantiv und einer Partikel haben den Akzent meistens auf der Partikel: 'Aufgabe, 'Nachwort. Das Präfix “miss-” ist vor Substantiven betont: 'Misstrauen, 'Missverstehen;

2.  Zusammensetzungen aus einem Substantiv und Verb haben die Wortbetonung auf dem Substantiv: 'achtgeben, 'teilnehmen;

3.  Zusammensetzungen aus Verben und Partikel haben unterschiedliche Stellungen für Betonung. Wenn es feste  Zusammensetzungen sind, fällt der Akzent auf den verbalen Bestandteil, z. B. über'setzen (ich übersetze einen Artikel). Feste  Zusammensetzungen bilden die Verben mit folgenden Adverbien: durch-, hinter-, über-, unter-, um- (durch'gehen, hinter'fahren, ?ber'nehmen, unterscheiden, um'gehen).

4. Wenn die Zusammensetzung unfest ist, trennt sich die Partikel vom Verb in den finiten Formen, und der Wortakzent liegt auf der Partikel: '?bersetzen (Der Fischer setzt die Wanderer über den Fluss über). Unfeste  Zusammensetzungen bilden Verben mit folgenden Raumadverbien: ab-, an-, auf-, bei-, dar-, ein-, fort-, her-, hin-, inne-, mit-, nach-, vor-, weg-, zu- ('abfragen, 'annehmen)

5. Solche Reihe von Partikeln wie durch-, hinter-, über-, um-, unter-, wieder- bilden mit Verben feste und unfeste  Zusammensetzungen (hintergehen, unterschreiben, wiederholen, umschreiben, Wiedersehen). Es gibt noch zusammengesetzte Partikeln, die man mit Verben verbindet. Dabei fällt der Wortakzent auf den zweiten Teil der Partikel: he'rausfahren, her'beif?hren, da'herkommen.

6. Das Präfix “miss- ” kann betont sein in dem Fall, wenn zwischen ihm und dem Stamm des Wortes ein anderes Präfix steht ('missverstehen), und es ist meistens unbetont vor dem Stamm des Wortes : misslingen.

7.  Zusammensetzungen aus den Präfixen be-, ge-, ent-, er-, ver-, zer- und Verb haben den Akzent auf dem Verb: be'kommen, ge'nommen, entlehnen, erfahren, ver'zeihen, zer'brechen.

8.  Zusammensetzungen aus Adjektiv und Verb haben den Akzent auf dem Adjektiv, z. B. 'hochheben, 'hintenfahren, zu'rückgehen.

3.1. Zusammensetzungen aus Adjektiven.

1. Zusammensetzungen aus zwei Adjektiven.

Man unterscheidet determinative und kopulative  ZSen. Der erste Bestandteil kann ein Substantiv sein. Die determinative ZS besteht aus einem Grundwort und einem Bestimmungswort, das den Akzent trägt, z. B. 'dunkelrot, 'braunäugig. Die kopulative Zusammensetzung verbindet gleichrangige Adjektive zu einer neuen Einheit, was der Verstärkung des Ausdrucks dient. Die Akzentstelle dieser Adjektive h?ngt vom Gebrauch ab. Beim attributiven Gebrauch trägt die erste Wortkomponente den Akzent, z. B. der 'eiskalte Wind; die 'graublauen Augen. Beim prädikativen Gebrauch trägt die zweite Wortkomponente den Akzent, z. B. Der Wind war eisig'kalt. Beim adverbialen Gebrauch erhalten beide Wortkomponenten den Akzent, z. B. Der Wind wehte 'eisig'kalt.

2.  Zusammensetzungen aus einem Adjektiv und zwei Substantiven: im Fall, wenn das Adjektiv und oder das Substantiv dekliniert ist, liegt der Wortakzent auf dem ersten Substantiv, z. B. Heiß'wasserspeicher, Rot'-Kreuz- Schwester.

Dagegen, wenn das Adjektiv nicht dekliniert ist, übernimmt es selbst den Wortakzent: ’Warmluftheizung, 'Fernverkehrsstraße.

3. Bei Aneinanderreihungen erhält das letzte Wort einen Hauptakzent, z.B. Schwarz, weiß'grün.

4. Zusammengesetzte Adjektive mit Präfixen oder Partikeln haben den Akzent meistens auf dem Präfix bzw. der Partikel: 'nachträglich, 'unecht, 'misstrauisch.

5. In adjektivischen  Zusammensetzungen aus einem Adverb und einem Partizipium des Präsens oder des Perfektums liegt die Wortbetonung auf dem Adverb: ’hellstrahlend, 'neugebacken, 'weichgekocht, ’tiefgekühlt.

 3.2. Zusammensetzungen aus Partikeln.

1. Zusammengesetzte Adverbien und Konjunktionen haben den Akzent auf der zweiten Komponente: dort'hin, nach'dem, sofort, so'lange, über'aus.

2. Zusammensetzungen aus Substantiv und Partikel sowie  Zusammensetzungen aus Pr?position und einem abh?ngigen Wort haben den Akzent meistens auf der zweiten Komponente: jahr'ein, jahr'aus, kopfüber, überhaupt, zu'sammen, über'all.

 3. Auch kopulative  Zusammensetzungen haben den Akzent auf der zweiten Komponente: neben'bei, mit'unter, zu'gegen, vo'ran.

4. In  Zusammensetzungen aus Pronomen und Partikel liegt der Wortakzent meistens auf dem ersten Wort: 'demnach, 'diesmal, 'deinetwegen.

3.3. Zusammensetzungen aus Numeralien mit einigen Substantiven.

1. Zusammensetzungen mit Numeralien zwischen 1 und 4 und dem darauffolgenden Substantiv in der Grundform (Nom. Sing.) tragen den Akzent auf dem Zahlwort, z. B. 'Einbahnstraße, 'Zweitaktmotor, 'Dreibettzimmer, 'Vierradantrieb.

 2. Zusammensetzungen mit Numeralien zwischen 2 und 4 und dem darauffolgenden Substantiv in der Pluralform haben den Akzent auf dem ersten Substantiv: Zwei'farbenfahne, Drei’ländereck, aber: Mehrfarbigkeit, 'Zweitakter (Zusammensetzung besteht aus einem Numerale und einem Substantiv).

3. Zusammensetzungen mit Numeralien ab 5 betont man auf dem ersten Substantiv: Achtzehn'staatenkonferenz, Fünfzig'jahrjubiläum.

3.4. Dreigliedrige  Zusammensetzungen.

1. In dreigliedrigen  Zusammensetzungen bilden die beiden letzten Wörter oft das Grundwort. Der Hauptakzent liegt auf dem ersten, dem Bestimmungswort; die anderen haben einen Nebenakzent, z. B. ’Stadtrundjahrt, ’Fremdsprachenunterricht.

2. Bei Aneinanderreihungen von Wörtern vor einem Grundwort erhält das letzte Wort des Bestimmungswortes den Hauptakzent, z. B. Goethe- Schiller-'Denkmal.

3. Zusammengesetzte Adjektive mit zwei Farbbezeichnungen haben den Akzent auf der zweiten Farbbezeichnung: blau-'weiß-kariert, schwarz- ‘grau-getigert.

Zusammensetzungen mit geographischen Namen.

1. Zusammensetzungen aus den Adjektiven “alt” und “neu” mit einem geographischen Namen haben den Akzent auf dem Namen, z. B. Alt'griechenland, Neuseeland, Neu'brandenburg, Alt-'Wien.

2. In  Zusammensetzungen aus Adjektiven wie “ober”-, “nieder”-, “mittel”-, “unter”-, “vorder”-, “hinter”- und einem geographischen Namen betont man das Adjektiv: 'Oberösterreich, 'Niederbayern, 'Mittelgriechenland.

3.5. Betonung fremder Wörter.

Im Deutschen wie in jeder anderen Sprache werden zahlreiche Wörter verwendet, die aus dem Englischen, Französischen, Griechischen übernommen worden sind. Diese Wörter behalten im Allgemeinen den Akzent auf demselben Vokal, wie im Ursprungsland, z. B. 'Manager (engl: 'manager), 'Kosmos (altgriechisch: ’kosmos), To'rero (spanisch: to'rero).

1. Die Herkunft aus Fremdsprachen ergibt, dass ein gleichlautendes Suffix im Deutschen sowohl betont als auch unbetont sein kann, z. B. 'Faktor, PL: Fak'toren(lat.: factor, Genitiv: fac'toris), Mete'or (altgriechisch me'teoron), 'Tumor (lat.: 'tumor).

2. Im Suffix -ier ist immer der lange Vokal betont: Quartier, Manier, demonstr'ieren, not'ieren, spaz'ieren.

3. Wörter aus dem Französischen tragen den Akzent auf dem letzten vollen Vokal, nicht auf dem -e, das in der deutschen Sprache oft gesprochen wird: Mi'lieu, Pa'lais, 'Chiffre, E'tage.

4. Bei der Erweiterung der Wörter anhand der flektierten Formen bleibt der Akzent auf demselben Vokal: Kapazi't?t - Kapazi't?ten. Eine Ausnahme bilden die Wörter auf -or lateinischer Herkunft.

5. Der Akzent bleibt auf dem Vokal, wenn bei der Veränderung des Wortes ein Murmellaut erscheint: Mono'log - Mono'loge, Par'kett - Par'kette.

6. Im Folgenden sind die häufig vorkommenden Endungen nach ihrer Betonung angeordnet.

a) Der letzte Vokal ist betont: -akt (kompakt), -al (neutral), -all (Metall), -an ( human), -än (Kapitän), -ant (Elefant), -anz (Substanz), -ar (elementar), -är (populär), -as (Orthoklas), -ast (-esk (grotesk), -ess (Prozess), -est (Protest), -ett (komplett), -eur (Ingenieur), -ez (Trapez), -gramm (Programm), -graph (Paragraph), -id (Sulfid), -ikt (Konflikt), -il (mobil,), -in (Medizin), -ist (Jurist), -it (Granit), -t?t (Universit?t), -iv (kursiv), -iz (Notiz).

b) Der vorletzte Vokal ist betont bei zweisilbigen Wörtern: -abel (transportabel), -ade (Marmelade), -ibel (flexibel), -ieren (regulieren), -ikel (Artikel), -ille (Pupille), -ine (Maschine),  -ise (Devise), -ismus (Mechanismus), -isse (Kulisse), -ite (Elite), -itis (Bronchitis), -ema (Thema), -ode (Elektrode), -oge (Biologe), -or (Faktor), -ose (Narkose), -otte (Marotte), -üle (Kanüle), -iine (Tribüne), -yse (Analyse).

c) Der drittletzte Vokal ist betont bei dreisilbigen Wörtern: -um (Optimum, Magnesium, aber Futurum), -us (Radius, Spiritus, aber diffus), -ies (Fazies), -ie und -ik können betont und unbetont sein. In solchen Wörtern wie Chemie, Energie, Geometrie, Mineralogie, Harmonie ist die letzte Silbe betont und [i:] wird lang ausgesprochen. Wenn am Ende des Wortes ein Murmellaut (schwachtoniges -e) erscheint, ist die drittletzte Silbe betont, man spricht dabei das [i] kurz aus: Kastanie, Bakterien, Arie, Grazie, Folie. In Physik, Kritik, Republik, Politik ist die letzte Silbe betont, dabei ist der betonte Vokal lang. Wenn die vorletzte Silbe, bzw. die erste bei zweisilbigen Wörtern betont ist, wie in Arithmetik, Kybernetik, Logik, Technik, dann ist der Vokal [i] kurz und unbetont.

3.6. Betonung in Abkürzungen.

1. Abkürzungen, die mit den Buchstabennamen ausgesprochen werden, sind auf dem letzten Teil betont: BG'B, DAA'D, BR'D, AB'C, UdSS'R, AG'F.

2. Wenn die Initialkurzwörter lautwertrichtig ausgesprochen werden, bekommen sie meistens den Anfangsakzent: 'UNO, 'NATO, 'NORAD.

3. Wortabkürzungen haben meistens den Anfangsakzent: ’Ober, 'Foto, aber La'bor.

4.  Zusammensetzungen aus Buchstabe und Wort haben den Akzent auf dem Buchstaben: 'D-Zug, 'E-Werk, 'S-Bahn.

 

4. Intonation

Mit Intonation bezeichnet man die melodische Gestalt einer Äußerung. Sie ergibt sich aus der Wahrnehmung von Tonhöheneigenschaften durch das Gehör. Die Intonation ist somit ein auditives Phänomen.

Als wichtigste akustische Entsprechung zur Intonation gilt die Grundfrequenz. Sie entspricht annähernd der Frequenz, mit der sich die Stimmritze im Kehlkopf öffnet und schließt. Sie muss aber nicht im Sprechsignal vorhanden sein, damit eine Äußerung mit intonatorischen Eigenschaften wahrgenommen wird. Auch Flüstern, das überhaupt keine periodischen Frequenzanteile aufweist, wird mit einem Tonhöhenverlauf wahrgenommen. In diesem Fall beruht die Wahrnehmung der Tonhöhe auf akustischen Eigenschaften, die sich aus den Geräuschanteilen des Flüsterns ergeben.

4.1 Töne

Tonhöhenverläufe, die gleiche sprachliche Funktionen erfüllen, bilden Realisationen der gleichen Intonationskontur. Eine Intonationskontur lässt sich phonologisch durch eine Folge abstrakter Töne darstellen. Töne sind die kleinsten diskreten Einheiten, die sprachlich relevante Eigenschaften einer Intonationskontur festlegen.

Man unterscheidet zwischen lexikalischen und intonatorischen Tönen. Lexikalische Töne sind wie einzelne phonologische Laute Bestandteile von Wortformen, und sie tragen ebenso wie die phonologischen Laute zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Wortformen bei. Intonatorische Töne sind nicht an bestimmte Einheiten der lexikalischen Ebene gebunden, und ihr Beitrag zur Äußerungsbedeutung ist weitgehend unabhängig von der Wahl einzelner Wortformen. Sprachen, die wie das Mandarin-Chinesische lexikalische Töne aufweisen, heißen Tonsprachen. Sprachen, die wie das Deutsche oder Englische nur intonatorische Töne aufweisen, heißen Intonationssprachen. Daneben gibt es eine Gruppe von Sprachen, die zwar lexikalische Töne aufweisen, aber nur eingeschränkt, etwa in Verbindung mit bestimmten Lexemen oder Morphemen. Diese Sprachen heißen Tonakzentsprachen. Zu ihnen zählen das Schwedische und Japanische, aber auch mittelfränkische Dialekte wie das rheinische Kölsch.

Für das Deutsche werden zwei intonatorische Töne angenommen: ein Hochton und ein Tiefton. Sie werden mit den Buchstaben H für »hoch« (engl. high) und L für »tief« (engl. low) bezeichnet. Der Tonhöhenverlauf einer Äußerung wird nur an besonderen Stellen durch Töne direkt festgelegt. Diese Stellen werden als phonetische Zielpunkte bezeichnet und grafisch durch blaue Punkte angezeigt. Im folgenden Beispiel ist die Tonhöhe im Bereich der Silben ist, ne, hei, ber und rin durch Töne festgelegt, aber nicht im Bereich der übrigen Silben.  

Ein einzelner Ton kann ferner mehr als einen phonetischen Zielpunkt festlegen. So lassen sich im obigen Beispiel die jeweils benachbarten tiefen Zielpunkte auf je einen L-Ton zurückführen. Dies wird im Folgenden durch Pfeile angedeutet.  

Der Tonhöhenverlauf einer Äußerung ergibt sich aus den phonetischen Zielpunkten der Töne und den Übergängen zwischen diesen Zielpunkten. Die Art der Übergänge lässt sich unter Bezug auf sprachspezifische Interpolationsregeln beschreiben.

Intonatorische Merkmale werden nicht als Merkmale von Lauten oder Silben repräsentiert, d. h. von Einheiten der lexikalischen Ebene, sondern auf einer eigenständigen Tonebene, die aber in regelhaften Beziehungen zur lexikalischen Ebene steht. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Beziehungen zur lexikalischen Ebene lassen sich vier Typen intonatorischer Töne unterscheiden: Akzenttöne, Begleittöne, Grenztöne und Phrasentöne. Akzenttöne sind Töne, die an das Auftreten von Akzentsilben gebunden sind. Sie werden durch einen Stern gekennzeichnet (H*, L*). Begleittöne sind Töne, die immer nur zusammen mit einem Akzentton auftreten. Je nachdem, ob ein Begleitton einem Akzentton vorangeht oder folgt, handelt es sich um einen Leitton oder Folgeton. Grenztöne sind Töne, die an das Auftreten prosodischer Phrasen wie der Intonationsphrase gebunden sind und an deren Grenzen realisiert werden. Grenztöne von Intonationsphrasen erhalten den Index. Für einige Sprachen und Dialekte werden ferner Phrasentöne angenommen. Ihr Auftreten ist ebenfalls an das Vorhandensein einer Phrasengrenze gebunden, sie werden aber gewöhnlich nicht an deren Grenzen realisiert

Akzenttöne bilden zusammen mit ihren Begleittönen Tonhöhenakzente. Da Begleittöne fakultativ auftreten, können Tonhöhenakzente unterschiedlich komplex sein. Mögliche Tonhöhenakzente sind z.B. H*, H*L, aber auch LH*L. 

4.2 Tonzuweisungen

Eine Intonationsphrase ist ein Äußerungsabschnitt, der genau eine Intonationskontur umfasst. Eine Äußerung kann aus einer oder mehreren Intonationsphrasen bestehen. Die Äußerung Maria ist eine Heidelbergerin z.B. kann alternativ auf eine oder zwei Intonationsphrasen verteilt werden. Entsprechend trägt sie eine oder zwei Intonationskonturen.

Intonationskonturen lassen sich unter Bezug auf zwei Arten von Kriterien identifizieren:

(1) Anforderungen an die minimale Struktur einer Intonationsphrase und

(2) phonetische Markierungen der Grenzen von Intonationsphrasen.

Zu (1): Jede Intonationsphrase weist mindestens eine betonte Silbe auf, die einen Tonhöhenakzent trägt. Ferner kann ein Äußerungsabschnitt nur dann als Intonationsphrase gelten, wenn sein Tonhöhenverlauf eine in der gegebenen Sprache mögliche Intonationskontur realisiert.

Zu (2): Phonetische Merkmale, die potenziell für Grenzen von Intonationsphrasen sprechen, sind

(i) Diskontinuität im zeitlichen Verlauf (Sprechpausen, Dehnung am Ende der Intonationsphrase, häufig gefolgt von schnellem Einsatz);

(ii) Diskontinuität im Frequenzbereich (Unterbrechung des Deklinationstrends , die in der Regel mit einer Ausweitung des Tonhöhenumfangs und einem erhöhten Einsatz zu Beginn der folgenden Äußerung einhergeht);

und (iii) Tonhöhenbewegungen, die sich nicht auf Tonhöhenakzente zurückführen lassen (wie z. B. die finale Anstiegsbewegung auf der letzten Silbe a von Maria in b).

Grenzen von Intonationsphrasen bilden ferner bevorzugte Orte für Atempausen und für einen Sprecherwechsel.

Der letzte Tonhöhenakzent einer Intonationsphrase wird als nuklearer Akzent bezeichnet. Da Äußerungen mehr als eine Intonationsphrase umfassen können, können sie auch mehr als einen nuklearen Akzent aufweisen. Umfasst eine Äußerung genau eine Intonationsphrase, so entspricht der nukleare Akzent im Deutschen dem traditionellen Satzakzent. Die Silbe, die den nuklearen Akzent trägt, heißt nukleare Silbe (im Folgenden blau hervorgehoben). Da der Tonhöhenverlauf von der nuklearen Silbe bis zum Ende der Intonationsphrase für die funktionale Analyse von besonderer Bedeutung ist, werden diese Konturabschnitte häufig gesondert betrachtet. Sie heißen nukleare Konturen. Tonhöhenakzente, die dem nuklearen Akzent innerhalb einer Intonationsphrase vorangehen, heißen pränukleare Akzente.

Für jede Sprache lassen sich Regeln angeben, nach denen Töne Einheiten der lexikalischen Ebene zugewiesen werden. Im Deutschen spielt hierbei die Informationsgliederung eine besondere Rolle. Akzenttöne werden Silben zugewiesen, die einen Fokusakzent tragen oder einen anderen Akzent, durch die eine syntaktische Einheit unter informatorischen Gesichtspunkten hervorgehoben werden. Die Zuweisung von Akzenttönen an Fokusakzentsilben erfolgt in drei Schritten:

(i) Die Fokus-Hintergrund-Gliederung eines Satzes legt fest, welche syntaktischen Einheiten dieses Satzes hervorgehoben werden. Dies kann der ganze Satz sein oder ein Teil des Satzes.

(ii) Es wird diejenige syntaktische Einheit innerhalb der fokussierten Konstituente ausgewählt, die als Trägerin eines Fokusmerkmals imstande ist, den Fokus auf die gesamte Konstituente zu projizieren. Diese Einheit heißt Fokusexponent. Die Regeln für die Identifizierung des Fokusexponenten heißen Fokusprojektionsregeln.

(iii) Unter Bezug auf Wortbetonungsregeln wird diejenige Silbe innerhalb des Fokusexponenten identifiziert, die den primären Wortakzent (den Hauptakzent) trägt. Diese Silbe fungiert (außer bei bestimmten Formen von kontrastivem Fokus) als Fokusakzentsilbe.

Im Beispiel [F Maria ist eine Heidelbergerin] ist die Silbe hei die Fokusakzentsilbe, Heidelbergerin der Fokusexponent und der ganze Satz die fokussierte Konstituente (angezeigt durch »[F ...]«). Im Beispiel [F Maria] ist eine Heidelbergerin ist die Silbe ri die Fokusakzentsilbe, und Maria ist sowohl Fokusexponent als auch fokussierte Konstituente.

Innerhalb einer Intonationsphrase kann mehr als ein Fokusakzent auftreten wie im Beispiel Sogar [FMaria] ist keine [Fechte] Heidelbergerin. Davon zu unterscheiden ist die Möglichkeit, in einer Intonationsphrase außer der Fokusakzentsilbe noch weiteren Silben Töne zuzuweisen. Im folgenden Beispiel trägt die Konstituente Maria einen zusätzlichen Tonhöhenakzent, obwohl sie kein Fokusexponent ist und zum Thema, nicht zum Rhema des Satzes gehört (zur Thema-Rhema-Gliederung). In diesem Fall liegt mehrfache Akzentuierung vor, jedoch keine mehrfache Fokussierung.  

 

Schlussfolgerungen:

In diesem Werk werden die wichtigsten Regeln des phonetischen Systems der deutschen gegenwärtigen Sprache möglichst kurz und bündig festgestellt. Sie werden in den vier Gruppen geteilt:

    • die Regeln, die Aussprache der Vokale betreffen;
    • die Regeln , die mit der Aussprache der Konsonanten verbunden sind;
    • die Regeln der Wortbetonung;
    • die Regeln der Intonation und ihre Komponente.

Sie können sehr nützlich für die Leute, die deutsche Sprache erlernen und einige Probleme mit der deutschen Phonetik haben, aber wollen sich damit klar machen.

 

 

Literaturverzeichnis :

    1. Bublyk, W. N. "Geschichte der deutschen Sprache : Lehrbuch" - K.: VYSCA SKOLA, 1983. - 229 s.
    2. Duden K. Die Grundlagen der Intonation. Режим доступу до статті: [http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/die-grundlagen-der-intonation]
    3. Kohler. Klaus J. Einführung in die Phonetik des Deutschen / von Klaus J. Kohler. - 2, neubearb. Aufl. - Berlin : Erich Schmidt, 1995.
    4. Величкова Л.В., Петроченко Е.В. Theoretische Phonetik. Теоретическая фонетика. Учебно-методическое пособие для вузов. - Воронеж: ВГУ, 2006. - 75с.
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Die Sprachregelung auf dem Gebiet der Aussprache