Немецкий сленг

 

ЗМІСТ

ВСТУП..…………………………………………………………………3

РОЗДІЛ 1

ВВЕДЕННЯ  У ДОСЛІЖДЕННЯ МОЛОДІЖНОГО СЛЕНГУ

    1. Що таке сленг?………………………………………………….......4
    2. Тематичний розвиток сленгу…………………………...5

РОЗДІЛ 2

ПРАКТИЧНА ЧАСТИНА

    1. Ознаки молодіжного сленгу…………………………………………….....11

ВИСНОВОК…………………………………………………...…18

ЛІТЕРАТУРНІ ДЖЕРЕЛА …………………………………….….22

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EINLEITUNG

Лінгвістика останніх десятиліть активно розпочала вивчення і аналіз живого спілкування. Будь-яка мова різноманітна, тому не можна зачиняти очі на те, що об’єктивно існує. Під час вивчення іноземних мов неможливо обійтись без знань особливостей розмовної лексики. Необхідність цих знань полягає у тому, як важливе для нас спілкування. И владение этой неотъемлемой составной частью словаря играет большую роль.Wie man für die Menschen, die mit der Sprache zu tun haben, diesen oder jenen Teil des Systems nicht "hinauswerfen" darf. In jeder Sprache gibt es irgendwelches Teilchen der Wörter, die es nicht üblich ist, in der kulturellen Gesellschaft, der geschäftlichen Lage, auf dem Studium zu sagen. Aber sie weiß jeder Träger der Sprache, und die Unwissenheit kann zu den Kuriosa, den unbequemen Momenten oder den Kränkungen bringen.

Die Aktualität des vorliegenden Themas besteht darin, dass das Slang wie der lebendige Organismus ist: wenn ein Teilchen verlorengehen wird - wird der Organismus aufhören, zu funktionieren. Ich stelle vor mir die Aufgabe, studiert, das Umgangswörterbuch des Deutschen, und zu ergreifen, ebenso es im Folgenden den Verkehr mit den Träger der Sprache zu verwenden und, genau und passend anzuwenden. Die Umgangslexik ist uns, um nötig vom literarischen Wortschatz, und mit der meisten Genauigkeit nicht beschränkt zu werden, den Inhalt des Ausspruchs zu übergeben. Es ist auch wichtig, den Gesprächspartner zu verstehen, der, die Gedanken auf der Muttersprache äußernd, kann die Wörter der Umgangssprache verwenden. Und sich nur von, wer in der Praxis klar geprüft hat, dass die lebendige Sprache davon unterscheidet, dass wir in der Schule unterrichten. Aber man braucht, nicht zu vergessen, dass, dass wir als das Slang jetzt nennen, durch die Zehn der Jahre ein Teil des literarischen Vorrates wird.

 

TEIL 1. Einführung in die Forschung der Jugendsprache

1.1 Was ist Jugendsprache?

  • Eine traditionelle Definition entwarf Helmut Henne, welche wie folgt lautet: „Jugendsprache bezeichnet spezifische Sprech- und Schreibweisen, mit denen Jugendliche u. a. ihre Sprachprofilierung und damit ein Stück Identitätsfindung betreiben.“ [5, 373]
  • Heute wird Jugendsprache von Sprachwissenschaftlern als komplexes sprachliches Register angesehen [6, 12].
  • In diesem Zusammenhang stellte in jüngerer Zeit Hermann Ehmann folgende Thesen auf:

1) Es gibt nicht die eine Jugendsprache, weil es die Jugendsprache, weil es die Jugend als homogene Gruppe nicht gibt. Vielmehr existieren mehrere Jugendsprachenvarietäten nebeneinander, die sich wiederum gegenseitig inspirieren (Szene – Sprache, Musikerjargon, Schüler- bzw. Studentensprache …); sie sind auch stets ein seismographischer Reflex des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes.

2) Es gibt nicht die Jugendsprache an sich, wohl aber jugendspezifische Besonderheiten, die sich in sprachlicher, grammatischer, lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben.

3) Es gibt nicht die Jugendsprache als mehr oder weniger komplettes Sprachsystem, sondern lediglich das schnelllebige, sich nicht zu einer festen Struktur verdichtende Sprechen von Jugendlichen [2, 23].

 

 

 

 

 

 

 

1.2 Die thematische Entwicklung der Jugendsprache

Gewalttätigkeiten und öffentliche Unruhe schlagen sich thematisch ebenfalls im jugendsprachlichen Vokabular nieder. In diesem Zusammenhang sind die Bereiche „Kampfuntensilien“ (Molotowcocktail = „Molli“), „Aufruhr“ („Randale“) usw. zu sehen. „Für die randalierende Jugend ist Gewalt Ausdruck einer verzweifelten Situation und einer bedrängten Gefühlslage.“ „Die Gewalttätigkeiten radikaler

Minderheiten wird von den meisten Jugendlichen abgelehnt - auch wenn sie für deren Ursachen größtenteils Verständnis zeigen [2, 28].

Desweiteren spielen Gefühle und Empfindungen eine große Rolle. Dabei überwiegen negative Empfindungen (z.B. “Blues“ = trauriges Lebensgefühl; „Amok“ = Streß). Eine weitere Kategorie bilden Ausdrücke der Uberraschung und Betroffenheit (z.B. „Hammer“ = Überraschung, Frechheit). Neutrale Begriffe für Gefühle (z.B.“vibration“, "feeling") werden ebenso selten wie positive Bezeichnungen für Empfindungen (z.B. „Schmeck“ = Lust) genannt [2, 28].

Einer der Gründe für die häufige Umsetzung von Empfindungen in jugendsprachliche Ausdrücke ist vermutlich der Umstand, „daß in der Alltagssprache für Situationen außergewönlicher Erregung, z. B. ... Beängstigung, keine angemessenen Wörter vorhanden“ sind. Ein weiterer Grund für die häufige Bezeihnung von Empfindungen kann in der Befürwortung immaterieller Werte vonseiten der Jugendlichen gesehen werden. „Das Gemeinsame der unterschiedlichen Gruppen ist ihr Versuch einer ethischen Neubestimmung von Leben und Gesellschaft, die Verlagerung des Gewichts von materiellen Werten wie Status und Besitzt auf imaterielle wie Glück und Selbstbestimmung. Damit „drehen die Jugendlichen die bürgerliche Lebensweisheit, daß erst die Arbeit, dann das Vergnügen komme, auf den Kopf: Sie wollen zuerst ihrer Emotionalität Raum geben, zuerst verläßliche Beziehungen knüpfen, zuerst Selbstwertgefühle entfalten...“ [2, 28-29].

Der hohe Wert von Empfindungen ist ebenfalls als Reaktion auf die

gesellschaftliche Situationen zu sehen, „denn wo geselschaftliche

Desorganisation herrscht unti keine lohnende Zukunftsperspektive zu erkcnnen ist, bleibt nur die Unmittelbarkeit des Handelns und Fühlens.“ Das heißt: „Was wesentlich und erreichbar ist, soll jetzt stattfinden, nicht erst morgen oder übermorgen.“ Diese Unmittelbarkeit wird nur im „feeling“ letztlich erfahrbar und mittelbar, also darin, оb man sich gut oder schlecht fühlt. Daran gemessen sind die rationalen Erklärungen und Begründungen zweitrangig.“ Auch die von den Verben vermittelten Inhalte entsprechen größtenteils den Themenbereichen der Wortartgruppe Substantiv. Die Verben, die Diskussionsverhalten beschreiben (wiederholt auf  Nebensächlichkeiten zurückkommen: „sich an etwas festmachen“), stehen vermutlich mit der bereits beschriebenen Protesthaltung vieler Jugendlicher in Verbindung. Sie weisen auf eine aktive Auseinandersetzung mit den jeweiligen Problemen hin. Andere Verben beziehen sich auf die beschriebenen resignativen bzw. aktiven Verhaltensweisen der Jugendlichen. Resignation geht beispielsweise von den Bezeichnungen für „sterben“ („totgehen“) und „keine psychische Kraft mehr haben“ („ausklinken“) aus; Optimismus drücken die Bereiche „begeistern“ („reinhauen“) und „anfeuern, Stimmung machen“ („anpowern“) aus [2, 29].

Bei den Adjektiven/Adverbien fallen zunächst die Bereiche auf, die die Bewertung „gut“ bzw. „schlecht“ ausdrücken („gut“ = „verschärft“ /“schlecht“ = „ungeil“). Dabei existieren in beiden Wörtersammlungen immer mehr Synonyme für „gut“ als für „schlecht“! „Das muß wohl daran liegen, daß das Negative leichter mit einer Sache/Person/Stimmung verbunden - die schlechte Note, die miese Laune, der unbeliebte Lehrer - und dann insgesamt bеnannt werden kann…“ [2, 30].

Die ausführliche Interpretation der Themenbereiche aller drei Zeitabschnitte hat bereits gezeigt, daß die jugendsprachlich umgesetzten Themenbereiche eng mit dem geselschaftlichen Kontext verbunden sind. Das gilt auch für die Schülersprache, auf deren Interpretation verzichtet wurde. Diese Anpassung der Jugendsprache an gesellschftliche Veränderungen wird besonders dann deutlich, wenn man einzelne Begriffe eines Themenbereiches vergleicht (z.B. Mädchen nach Stand/nach

Ausschen). Vergleicht man hingegen nur einmal die Oberbegriffe der Themenbereiche (z. B. den Oberbegriff „Mädchen“) kann festgestellt werden, daß einige dieser Oberbegriffe in allen drei Zeitabschnitten zu finden sind. Es handelt sich dabei um folgende Themenbereiche:

Wortartgruppe Substantiv

  • Personen, nach Berufklassifizier;
  • Personen , nach Charaktereigenschaften klassifiziert;
  • Bezeichnungen für Gleichaltrige bzw. Gleichgesinnte (Schüler, Studenten, Jungen, Mädchen, Bezeichnungen für Jugendliche nach Interessen/Lebensstil);
  • Drogen, Alkohol, Tabakwaren;
  • Bezeichnungen für aggressive, handgreifliche Auseinandersetzungen;
  • Geld;
  • Bekleidung;
  • Freizeitaktivitäten (Pferde, Spaziergang, Motorrad, Musik usw.);
  • Empfindungen, Gefühle;
  • Sexualität;

In den Wörtersammlungen, die sich auf die „Schülersprache“ beziehen, konnten weitere konstante Themenbereiche der Wortartgruppe „Substantiv“ festgestellt werden:

  • Zensuren;
  • Konferenz;
  • Bestrafung;
  • Schulpersonal;
  • Schulräume usw [2, 30-31].

Wortartgruppe Verb

  • Bewegungsvеrben;
  • flirten;
  • rauchen, Alkohol trinken, Drogen nahmen;
  • essen;
  • prügeln;
  • sich selbst darstellen;
  • emotionale Handlungen ( z.B. sich ärgern);
  • mit Geld und Sachwerten umgehen;
  • seine Unzufriedenheit äußern, nörgeln;
  • sterben;
  • Freizeithandlungen (tanzen, Musik hören, Motorrad reparieren usw.);
  • etwas veranlassen;

Auch hier konnten in der „Schülersprache“ weitere, konstante Themenbereiche der Wortartgruppe „Verb“ festgestellt werden:

  • abschreiben;
  • lernen;
  • durch das Examen fallen;
  • nichts wissen;
  • vorsagen;
  • dem Unterricht unentschuldigt fernbleiben usw [2, 31-32].

Wortartgruppe Adjektiv/Adverb

(gilt für Schüler- und Studentensprache)

  • gut;
  • schlecht;
  • sehr;
  • dumm;
  • betrunken, berauscht usw.

Die jugendsprachlich umgesetzten Themenbereiche aller drei Wortartgruppen beziehen sich damit – nochmals zusammengefaßt - auf die folgenden Bereiche:

  • Verhältnis zu Erwachsenen (Personen nach Beruf, Schulpersonal usw.);
  • Verhältnis zu Gleichaltrigen (Studenten, Schüler, Mädchen usw.);
  • Schule und Ausbildung (Zensuren, Schulräume , abschreiben usw.);
  • Freizeitgestaltung (Geld, Musik, tanzen usw.);
  • Empfindungen (Gefühle, emotionale Handlungen usw.);
  • eigene Selbstdarstellung (Bekleidung usw.);
  • Grundbedürfnisse (Bewegungen, essen usw.);
  • verbotene Bereiche (Drogen, Prügelei usw.);
  • gesellschaftliche Tabuzonen (Sexualität, sterben usw.).

Diese Bereiche stellen das thematische Gerüst der Jugendsprache dar, das durch alle drei Zeitabschnitte konstant geblieben ist. Es handelt sich dabei um

  • unmittelbare Bedürfnisse der Jugendlichen (z. B. Grundbedürfnisse);
  • Interessen (z. B. Freizeitgestaltung);
  • Konfliktbereiche (z. B. Verhältnis zu Erwachsenen);
  • verbotene und tabuisierte Bereiche, für die in der Standsprache keine adäquaten Ausdrücke zur Verfügung stehen (z. B. für Sexualität).

Zu diesem Ergebnis kommen auch Oschlies und Mentzel. „Schule/Ausbildung, das Verhältnis zu Erwachsenen, die eigene Freizeit und die Gemeinschaft der Gleichaltrigen sind die Felder, in denen der Jargon vor allem entsteht und lebt. „Forscher und Publizisten haben schon längst bemerkt, daß in der Sprache einer gegebenen Gesellschaft ein besonderes Tabu sind...“ [2, 32-33].

Zuasammengefaßt kann festgehalten werden:

  1. Die Themenbereiche spiegeln besonders bei der Betrachtung der einzelnen Begriffe historisch-soziale Hintergründe wider.
  2. Eine Reduktion der Themenbereiche auf zentrale Begriffe läßt ein festes, zeitunabhängiges Themengerüst deutlich werden. Daraus läßt sich ableiten, daß Jugendliche ihre Bedürfnisse, Interessen, Konf likte sowie Bereiche, die in der Standardsprache aufgrund von Tabus nur unzureichend abgedeckt sind, jugendsprachlich umsetzen [2, 33].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

РОЗДІЛ 2. ПРАКТИЧНА ЧАСТИНА

1.1 Ознаки молодіжного сленгу

Найважливіші ознаки сучасного  молодіжного сленгу, на перший погляж:

Bedeutungsverschiebungen bzw. –veränderungen (= semantische Variation)

Beispiele:       

  • fundamental = allgemeiner Superlativ für Dinge, Überzeugungen und Einstellungen im Sinne von „super, klasse, prima“;
  • Bonsai = kleingewachsener Junge;
  • Melone = Kopf;
  • Eisbeutel = abwertend für gefühlskalter Mensch.

Bedeutungserweiterungen (= semantische Addition)

Beispiele:       

  • fett =super, sehr, gut/ schön, voll in Ordnung;
  • hämmern =hart arbeiten;
  • Message = konkrete Aussage, spezielles Anliegen.

Bedeutungsverengungen

Beispiele:       

  • Looser = Verlierer, Versager, erfolglose Person;
  • Lotter = Spaßvogel, Witzbold;
  • tricky = durchtrieben, trickreiche Person;

Bedeutungsumkehrungen (= semantische Paradoxa)

Beispiele:        

  • Massage =heftige Abreibung, Schlägerei;
  • Korkenknaller = müder Witz, schlappe Unterhaltung;
  • Trällerfisch = abwertend für Person die viel redet; bewundernd für weibliche Person, die gut singt.

Wortveränderungen (lexikalische Mutation)

Beispiel:          

  • bläken = schreien, jähzornig brüllen;
  • Gripsräver = schneller Denker; Person, die geistig außerordentlich flexibel ist;
  • muddeln = langsam, ohne bestimmtes Ziel bzw. vorhersehbares Resultat vor sich hinarbeiten;
  • Randalo = Schlägertyp; Person, die auf Randale aus ist.

Wortneuschöpfungen (= Neologismen)

Beispiele: 

  • alken, picheln, Kolben zwitschern = sich hemmungslos betrinken;
  • Fossilscheibe = Oldie, alte Schallplatte;
  • Heizkeks = Person, die auf Partys die Stimmung anheizt;
  • Sumpfziege = hässliche Person weiblichen Geschlechts.

Vereinfachungen (= Ökonomisierung)

Beispiele:

  • aso = ach so;
  • schlafn = schlafen;
  • Poli = abwertend für Polizei;
  • Proggi =Programm (= Anleihe aus dem Internet).

Superlativierungen (= Steigerung von Begriffen, indem man „super“, „mega“, „hammer“, „extra“, „urest“ davor setzt)

Beispiele:        

  • superlustig;
  • Superbirne = Person mit hoher/ wenig Denkintelligenz;
  • Das war ein mega spitzen klasse Konzert.

Klangliche Eindeutschungen (= phonologische Germanisierung)

Beispiele:

  • abcoolen = das Gemüt beruhigen;
  • händeln = etwas gut handhaben, rasch erledigen, sicher beherrschen;
  • Workmän = hart arbeitende männliche Person.

Verbalisierungen von Substantiven

Beispiele: 

  • müllen = quatschen, dummes Zeug daherreden;
  • zoffen = streiten, sich ausgiebig zanken.

Kreative Wortspiele

Beispiele:

  • labundig =lebendig, quirlig, lebenslustig;
  • hoppeldihopp = flink, schnell, geschwind, flott;
  • doppeldidoch = Verstärkung von „doch“, „ja“.

Fremdsprachliche Anleihen (= Internationalismen)

Beispiele:        

  • Supporter = Eltern;
  • Mattsche = „Blackout“, kurzzeitige Schwächephase, plötzlicher Aussetzer;
  • beachen = am Strand liegen, baden gehen [3, 8-9].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusammenfassung

  1. Die Wortbildungsarten der Jugendsprache sind größtenteils unverändert geblieben.
  2. Die Wortbildungsarten, die nur im ersten und zweiten Zeitabschnitt verwendet wurden, waren vermutlich auf eine humorvollе Wirkung ausgerichtet und dienten nicht einer Präzision des Gesagten.
  3. Im zweiten und besonders im dritten Zeitabschnitt entwickelten sich hingegen neue Formen der Wortbildung, die sich um eine Präzision der jugendsprachlichen Begriffe bemühten (Genus- und Kasuswechsel). Als Vorläufer dieser Bemühungen kann die Veränderung der Aktionsart („abgegangen werden“) betrachtet werden.Diese Bemühung um eine präzise eigene Sprache wird unterstützt durch die Bildung von Wörtern, die keine sprachliche Vorstufe erkennen lassen (originäre Neologismen). Hier wird die Tendenz der Jugendsprache zu Eigenständigkeit und Abgeschlossenheit besonders deutlich. Im dritten Zeitabschnitt kann außerdem eine stärker werdende Теndenz zu ökonomischem Sprachgebrauch festgestellt werden (Verkürzung von Phrasen mit Hilfe von Halbsuffixen).

Neben relativ stabil gebliebenen Wortbildungsa rten kann also in der Jugendsprache eine Tendenz zu Wortbildungsarten festgestellt werden, die auf eine eigenständige, präzise und von daher sachlich verwendbare Sondersprache gerichtet sind. Aus diesem Grunde werden vermutlich lediglich humorvoll wirkende Wortbildungsarten langsam abgebaut, um den angestrebten sachlichen Charakter nicht in Frage zu stellen.

Der Vergleich hat gezeigt, daß die Jugendsprache in den untersuchten Bereichen überwiegend stabil geblieben ist, dabei aber gleichzeitig die Fähigkeit zur Aktualisierung, also auch zur Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen, behalten hat. Es können folgende Grundzüge formuliert werden:

 

  • Die Themen der Jugendsprache spiegeln die Bedürfnisse und Interessen sowie die Konflikte von Jugendlichen wider. Auch werden die Bereiche jugendsprachlich umgesetzt, die von der Standardsprache aufgrund von Tabus nur unzureichend abgedeckt sind.
  • Die Bildbereiche entstammen bei personenbezogenen Themen der unmittelbaren Lebenssphäre des Menschen. Die Bilder zur Kennzeichnung der Qualitäten „gut“, „schlecht“ und „sehr“ beziehen sich hingegen häufig auf Grenzbereiche des menschlichen Lebens. Das heißt: Innerhalb bestimmter Themenkomplexe werden offensichtlich unabhängig von gesellschaftlichen Entwicklungen zu allen Zeiten ähnliche Bilder verwendet.
  • Die Fremd-, Fach- und Gruppensprachen, die Einfluß auf die Jugendsprache nehmen, hängen eng mit den Erfahrungen der Jugendlichen zusammen und üben daher einen konstanten Einfluß aus.
  • Einzelne Begriffe spiegeln durchaus gesellschaftliche Entwicklungen wider. Kulturelle, wirtschaftliche oder politische Wandlungen werden in allen untersuchten Bereichen deutlich.
  • Die Formen jugandsprachlicher Wortbildung sind überwiegend stabil geblieben. Sie werden nur am Rande von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflußt. So kann beispielsweise die Tendenz zu verkürzten Sprachformen (das bezieht sich unter Vorbehalt auch auf die Syntax) mit der Entwicklung der technischen Kommunikation in Verbindung gebracht werden. Außerdem tendieren manche Wortbildungsarten zu einem unabhängigen abgeschlossenen Sprachsystem.

Die konstant gebliebenen Elemente der Jugendsprache hängen eng mit den ebenfalls unverändert gebliebenen Funktionen von Gleichaltrigengruppen zusammen, die sich stichwortartig noch einmal wie folgt zusammenfassen lassen (vgl. auch Kapitel 2):

  • Übernahme eines Teils kollektiver Sozialisation;
  • Auffangen der Spannungen zwischen den Generationen (Schutz und Ausgleich gegenüber dem Anpassungsdruck der Erwachsenenwelt);
  • Lösung von gemeinsamen Problemen, die sich entweder aus der Pubertät oder bei Post-Adoleszenten aus gesellschaftlichen Konflikten ergeben;
  • Verwirklichung gemeinsamer Interessen (z .B. im Freizeitbereich).

In erster Linie unterstützt die Jugendsprache den Gruppenzusammenhalt. Nur eine intakte Gruppe' von Jugendlichen kann eine Abwehrhaltung nach außen demonstrieren bzw. Schutzt und Ausgleich übernehmen. Die Jugendsprache stärkt den Gruppenzusammenhalt, weil sie „gleichermaßen der emotiven Stabilisierung innerhalb von Gruppen, wie der schnellen und effektiven Organisation solidarischer

Aktionen dient.“ Durch die jugendsprachliche Benennung der eigenen Interessen und Bedürfnisse wird das Gemeinsame unterstrichen. Durch das Abweichen von der

Standardsprache mit Hilfe eigener sprachlicher Bilder, eigener Wortbildunug usw wird ein „Wirt-Gefühl“ erzeugt.

Humor, Ironie, Unter- und Übertreibung sind dabei wichtige Faktoren der Jugendsprache. Sie dienen in erster Linie dazu, belastende Sachverhalte auf verbalem Wege angenehmer und ertragbarer zu machen. Eilenberger schreibt: „Mit großer Kühnheit und Nachlässigkeit bеhandelt er“ (gemeint ist der Schüler) „dieеmе und die höchsten Probleme und geht über alle Tages- und Lebensfragen scheinbar mit der größten 'Wurstigkeit' stolz hinweg.“ Wird beispielsweise in der heutigen Jugendsprache ein Polizist als „Bulette“ bezeichnet, werden Aggressionen auf verbale Weise vermindert, indem der Polizist im Geiste durch den Fleischwolf gedreht, d.h. verkleinert und verdinglicht und somit ungefährlich gemacht wird.

Aggregierte Begriffe dienen daher auch der sprachlichen Abgrenzung von Fremdgruppen (z. B. Erwachsenen). Hier können zwei Funktionen unterschieden werden. Werden jugendsprachliche Begriffe verwendet, die nicht von Aussenstehenden entschlüsselt werden können (z. B. Metaphern wie „Frosch“ = Taschenmesser (WS Eilenberger); Abkürzungen wie „Halla“ = Hallenschwimmbad (WS Küpper)), erfühllt die Jugendsprache die Funktion einer Geheimsprache. Können die Begriffe relativ einfach dechiffriert werden (z. B. Anhängen fremdsprachlicher Nachsilben: „trinkabel“ = trinkbar (WS Kuge)), handelt es sich eher um die Formulierung eines „Kontras“, d.h., jugendsprachliche Formulierungen werden hauptsächlich zum Zwecke der Demonstration einer anderen Wert- bzw. Lebensauffassung verwendet.

Die Jugendsprache fördert demnach in allen untersuchten Zeitabschnitten den Gruppenzusammenhalt und unterstützt eine Abrenzung nach außen. Das heißt, die Jugendsprache leistete und leistet einen Beitrag zu den genannten Funktionen der Gleichaltrigengruppe.

Fazit der Untersuchung: Die Jugendsprache hat eine Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht. War sie früher auch nicht so verbreitet wie heute, gleicht sie der Jugendsprache unserer Vorfahren dennoch in erstaunlich vielen Punkten. Vielleicht kann diese Beobachtung dazu beitragen, dem Sprachverhalten Jugendlicher mehr Verständnis entgegenzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bibliographie

  1. Ehmann, Hermann: affengeil. Ein Lexikon der Jugendsprache, München 1992.
  2. Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, Beck´sche Reihe; Bd. 1170. München 1996.
  3. Ehmann, Hermann: Voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache, Beck´sche Reihe; Bd. 1406, München 2001.
  4. Hä?? Jugendsprache unplugged 2012, Langenscheidt KG, Berlin und München, 2012.
  5. Hä?? Jugendsprache unplugged 2013, Langenscheidt KG, Berlin und München, 2013.
  6. Henne, Helmut: Jugendsprache und Jugendgespräche in: Dialogforschung, hrsg. v. Peter Schröder u. Hugo Steger, Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache; 1980/ Sprache der Gegenwart, Bd. 54, Düsseldorf 1981.
  7. Vgl.: Schlobinski, Peter; Kohl, Gabi; Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen 1993.
  8. Русско-немецкий словарь современного молодежного жаргона: около 2000 слов и выражений / Е. А. Коломиец. – М.: АСТ: Восток-Запад, 2005. – 362, [10] с.
  9. Современный немецко-русский русско-немецкий словарь. – Донецк: ООО ПФК «БАО», 2009. – 768 с.

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